Interview mit Jürgen Kohler "Ich will absolut authentisch sein"
Herr Kohler, am Dienstag gegen Italien erleben Sie Ihr erstes U-21-Länderspiel als Trainer. Sind Sie trotz aller Routine, die Sie als Spieler erworben haben, aufgeregt?
Kohler: Ein bisschen Nervosität ist schon vorhanden. Aber ich freue mich darauf. Es ist ein schönes Gefühl, ausgerechnet in Italien, wo ich selbst gespielt habe, sein erstes U-21-Länderspiel zu bestreiten. Natürlich ist es eine völlig neue Situation für mich: Jetzt werde ich auf der Bank sitzen und kann nicht mehr aktiv eingreifen. Aber es ist schön, seine Erfahrungen weitergeben zu können.
Sind Sie eher der Kumpeltyp als Trainer oder autoritär?
Kohler: Die Mischung macht's. Ich möchte schon jemand sein, dem die Spieler vollstes Vertrauen entgegenbringen können. Wenn mir ein Spieler etwas sagt, bleibt das bei mir. Aber auf der anderen Seite kann ich auch nur elf Spieler aufstellen. Deswegen ist der Respekt voreinander wichtig. Erfolg ist auch Disziplin.
Sie haben in Ihrer langen Karriere viele Trainer erlebt. Was wollen Sie anders machen?
Kohler: Ich will auf jeden Fall meinen eigenen Stil finden und den konsequent durchziehen. Wichtig ist, dass ich versuchen werde, in dem Job absolut authentisch zu sein, glaubhaft zu sein. Ich bin ein Verfechter des Leistungsprinzips. Aber auch wenn wir mal schlechte Spiele machen, muss man der Mannschaft einen gewissen Entwicklungsprozess zugestehen.
Sie haben sich ehrgeizige Ziele gesteckt.
Kohler: Die Qualifikation für die EM 2004. Außerdem wollen wir mit der U 21 zu den Olympischen Spielen nach Athen.
Was macht Sie so zuversichtlich?
Kohler: Das sind gute Jungs, die ich da habe. Wir haben viele Fußballer mit großen Perspektiven. Ich bin ganz sicher, dass wir den einen oder anderen dabei haben, der sogar eines Tages für die
A-Nationalmannschaft ein Thema sein kann - auch für die WM 2006. Das ist eine einmalige Chance für jeden einzelnen.
Die Fragen stellte Christian Pfennig, sid