Interview mit Marko Pantelic: "Dauernd jemand im Nacken" - DER SPIEGEL
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Interview mit Marko Pantelic "Dauernd jemand im Nacken"

Er hat schon bei vielen Clubs gespielt. So wohl wie in Berlin fühlte sich Marko Pantelic aber noch nie. Mit dem Fußballmagazin "11 FREUNDE" sprach der treffsichere Hertha-Stürmer über Rastlosigkeit, Nackenstarre und seinen Bremer Rivalen Miroslav Klose.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frage: Herr Pantelic, Ihnen werden gewisse Extravaganzen nachgesagt. Hertha-Manager Dieter Hoeneß hat Sie dafür kritisiert, dass Sie den Ball zu oft mit dem Außenrist spielen. Nervt es, wenn Sie in Ihrer Art als Instinktfußballer beschränkt werden?

Pantelic: Dieter Hoeneß war selbst ein Weltklasse-Stürmer. Der Mann ist der Kopf von Hertha BSC. Er hat das Recht, mein Spiel zu kritisieren, wenn ihm etwas daran missfällt. Ich sehe zu, dass 99 Prozent von dem umgesetzt wird, was er mir mit auf den Weg gibt. Aber ein Prozent Freiheit bei der Erfüllung meiner Aufgaben gönne ich mir trotzdem.

Frage: Hat Hoeneß inzwischen verstanden, dass Sie Raum für Ihre kleinen Sperenzchen brauchen?

Pantelic: Nachdem ich im November gegen Nürnberg mit dem Außenrist zum 1:0 getroffen und ihm den Treffer gewidmet habe, hat er sich nicht mehr dazu geäußert. Ich glaube, er hat verstanden, dass ich alles für den Club gebe und mit meinen Ideen dem Hertha-Spiel wichtige Impulse gebe.

Frage: Sie sind ein Vagabund. In elf Jahren Profikarriere haben Sie für neun Vereine in sieben Ländern gespielt. Warum werden Sie nirgendwo heimisch?

Pantelic: Was Sie da ansprechen, ist mein ehemaliges Leben. Meine wahre Karriere begann erst 2003. Vorher war ich zehn Jahre lang auf der Suche. Ich bin mit 17 zu Hause ausgezogen. Ich wollte schnell so weit weg wie möglich von meiner Heimat. Aber keiner hat mir gesagt, was auf mich zukommt. Als sich dann nicht direkt der Erfolg eingestellt hat, war ich mitunter etwas zu ungeduldig.

Frage: Können Sie uns das bitte erklären?

Pantelic: Mein erster Verein als Profi war Iraklis Saloniki. Ich war topfit, wurde aber nur in Freundschaftsspielen eingesetzt. Also habe ich sofort zugegriffen, als Paris St. Germain mir ein Angebot machte. Auch dort hatte ich aber das Gefühl, dass mir keine richtige Chance eingeräumt wird. So bin ich immer weiter gezogen. Wenn ein Trainer kam, in dessen System ich nicht sofort passte, war ich weg.

Frage: Nach erfolglosen Gastspielen beim SK Sturm Graz, FC Yverdon und Celta Vigo sind Sie nach Serbien zurückgekehrt und in der tiefsten Provinz beim FK Sartid Smederevo gelandet.

Pantelic: Das war der komplette Neustart meiner Karriere. Endlich habe ich bei einem Verein gespielt, der mich wirklich brauchte und bei dem ich zeigen konnte, was ich drauf habe. Nach elf Monaten hat mich dann Roter Stern Belgrad abgeworben und ich wurde auf Anhieb Torschützenkönig der serbischen Liga.

Frage: Und was ist mit Hertha BSC?

Pantelic: Als Stürmer ist man bis maximal 35 aktiv. Warum sollte ich meine Karriere also nicht in Berlin beenden? Andererseits sagt mir meine Erfahrung, dass sich im Fußball nichts planen lässt. Hertha ist aber, anders als frühere Clubs, so etwas wie mein zweites Zuhause geworden. Hier wurde mir von Anfang an mehr Vertrauen entgegengebracht als bei anderen Vereinen.

Frage: Haben Sie ein Beispiel?

Pantelic: Die ersten dreieinhalb Monate nach meinem Wechsel wurde ich für jedes Spiel fit gespritzt. Ich habe nur einmal die Woche trainiert, trotzdem bekam ich vor jedem Match eine Spritze in den Bauch und in den Fuß und habe am Wochenende 90 Minuten gespielt. Ich bin froh, dass ich dieses Vertrauen jetzt mit Toren zurückzahlen kann.

Frage: Sie sind derzeit Zweiter der Bundesliga-Torschützenliste. Was hat sich seit der vergangenen Saison verändert?

Pantelic: Ich laufe inzwischen schmerzfrei auf, außerdem hat mir der Verein vor dieser Saison einen Vertrag bis 2008 gegeben. Das befreit mich. In der vergangenen Saison hat es sich angefühlt, als säße mir dauernd jemand im Nacken.

Frage: Wer hatte es denn auf Sie abgesehen?

Pantelic: Da waren die Medien, die Erwartungen des Vereins und der Zuschauer. Sie können sich vorstellen, dass es nicht so leicht ist, Topleistungen zu bringen, wenn ständig jemand schaut, ob man patzt oder Schwächen zeigt.

Frage: Warum klappt es bei Hertha besser als in Paris?

Pantelic: Bei Hertha hat man erkannt, dass ich mich für den Club zerreiße. Wenn wir zurückliegen, arbeite ich als Stürmer auch nach hinten. Es gibt Statistiken, dass ich mir in einem Spiel bis zu 30 Mal den Ball am eigenen Strafraum hole.

Frage: Es hat den Anschein, als seien Sie auf dem besten Weg, ein großer Spieler zu werden. Nun streiten Sie mit beispielsweise Miroslav Klose um die Torjägerkrone.

Pantelic: Das ist mir relativ schnuppe. Wenn ich am Ende der Saison nur Zweiter oder Dritter bei den Torjägern werde, Hertha dafür aber in der Champions League spielt, wäre mir das wesentlich lieber.

Frage: Ihre Bescheidenheit ehrt sie, doch als bester Bundesligaschütze würde sich Ihr Marktwert deutlich erhöhen. Träumen Sie nicht davon, für ein internationales Spitzenteam zu spielen?

Pantelic: Natürlich träumt jeder Spieler davon, einmal für einen Verein wie Real Madrid, FC Barcelona oder Manchester United aufzulaufen. Aber ganz ehrlich: Wie es momentan bei Hertha für mich läuft, ist traumhaft. Gerade die vielen Rückschläge in meiner Karriere zeigen mir, dass ich solche Momente genießen muss und nicht schon wieder ans nächste Ziel denken sollte. Wenn morgen einer kommt und mir vorschlägt, zu wechseln, werde ich mir sehr gut überlegen, ob ich die Situation hier in Berlin wirklich dafür aufgeben will.

Die Fragen stellten Tim Jürgens und Jens Kirschneck

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