Josep Guardiola hatte nach dem Hinspiel schlaflose Nächte - DER SPIEGEL
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Guardiola-Biograf Perarnau "Das Ergebnis bereitete Pep schlaflose Nächte"

Das 0:3 in Barcelona hielt für Pep Guardiola auch positive Erkenntnisse bereit: Dass sein Team Messi & Co. den Ball abjagen kann - und dass die Spieler nicht bereit sind aufzugeben. Sagt ein Mann, der sich mit dem Bayern-Coach auskennt.
Bayern-Trainer Guardiola: "Jetzt wird es kompliziert"
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Foto: Matthias Schrader/ AP/dpa
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SPIEGEL ONLINE: Herr Perarnau, Sie haben Josep Guardiola wenige Tage nach dem 0:3 in Barcelona getroffen. Hat er seit dem vergangenen Mittwoch überhaupt geschlafen?

Perarnau: Es ist dieses Ergebnis, das Pep sicher schlaflose Nächte bereitet hat. Dieses 0:3. Die Partie in Barcelona hätte auch problemlos 0:1 ausgehen können, dann hätte Bayern im Rückspiel noch alle Chancen. Aber jetzt wird es kompliziert.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie das Hinspiel wahrgenommen?

Perarnau: Es hatte drei völlig unterschiedliche Phasen. In den ersten 15 Minuten wollte Guardiola Barça überraschen, indem er das Zentrum stärkte und nur drei Verteidiger aufbot. Das hatte im Pokal gegen den BVB gut funktioniert. Aber Lionel Messi und Luis Suárez nutzten die Freiräume geschickt aus, weshalb Guardiola bald auf vier Abwehrspieler umstellen musste. Zwischen Minute 15 und 78 hatten die Münchner das Spiel eigentlich im Griff. Es sprangen wegen der fehlenden Offensivkraft zwar nicht viele Chancen heraus, aber Barcelona war ja auch nicht sehr gefährlich. Ab der 78. Minute trat plötzlich Messi auf den Plan, und die Bayern begingen reihenweise Fehler.

SPIEGEL ONLINE: Und was glauben Sie, wie Guardiola das Spiel bewertet?

Perarnau: Ich denke, dass er zwei positive Erkenntnisse daraus mitnahm: Erstens war seine Mannschaft durchaus in der Lage, Barça den Ball abzunehmen, das schaffen nicht viele Teams. Phasenweise gelang es Bayern sogar, das Spiel zu kontrollieren. Zweitens haben seine Spieler trotz ihrer individuellen Fehler alles versucht, nicht nur im Camp Nou, sondern auch über die vergangenen Monate, als es schon nicht mehr richtig lief.

SPIEGEL ONLINE: Schöpft er daraus die Hoffnung, Barcelona noch schlagen zu können?

Perarnau: Guardiola ist sich wohl bewusst, dass gegen einen solchen Gegner in der aktuellen Form nur ein Fußballwunder helfen kann. Bayern ist einfach zu sehr geschwächt. Bis zu den Verletzungen von Arjen Robben, Franck Ribéry und David Alaba schossen die Münchner im Schnitt fast drei Tore, danach waren es nur noch 1,4. Das ist die Realität, und Pep kennt diese Zahlen auch.

SPIEGEL ONLINE: Hat er schon aufgegeben?

Perarnau: Natürlich wird er versuchen, die Sache noch umzubiegen. Er will, dass das 0:3 aus den Köpfen seiner Spieler verschwindet, damit sie sich ganz darauf konzentrieren können, Barcelona den Ball abzunehmen. Nur so können sie es vermeiden, dass Barça über Messi, Suárez und Neymar kontert.

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Foto: Kai Pfaffenbach/ REUTERS

SPIEGEL ONLINE: Erkennen Sie Parallelen zum Halbfinal-Aus im vergangenen Jahr?

Perarnau: Damals unterlief Pep ein schwerer taktischer Fehler, das hat er selbst zugegeben. Er wollte Real mit vier Angreifern attackieren - und fast ohne Absicherung. Das nutzten die Spanier gnadenlos aus. Einen ähnlichen Fehler begingen die Bayern diesmal in den letzten Minuten im Camp Nou: Sie spielten zu sehr auf ein Auswärtstor, und das ging schief. Das wird ihnen nicht noch einmal passieren.

SPIEGEL ONLINE: Wie kommen Sie darauf?

Perarnau: Pep macht nicht zweimal denselben Fehler. Das bewies er zum Beispiel in der vergangenen Saison im Pokalfinale gegen den BVB. Seine Mannschaft hat aus dem 0:1 und 0:4 gegen Real aber noch mehr gelernt, das deutete sich etwa im Rückspiel gegen Porto an. Aber letztlich entscheiden auf diesem Niveau Details über Sieg oder Niederlage.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie ein Beispiel?

Perarnau: Vor einem Jahr spielte Bayern Real im Bernabéu an die Wand. Toni Kroos hatte damals eine gute Chance - doch im Gegenzug fiel das 1:0 für Madrid. Im Rückspiel verzockte sich Pep dann. Oder nehmen wir das Pokal-Halbfinale gegen Dortmund: Da legen sich plötzlich die besten Elfmeterschützen des FC Bayern aufs Kreuz und schießen daneben. Dazu kommen die Verletzungen. Bayern hat es dieses Jahr ziemlich erwischt.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Fazit nach Guardiolas erstem Jahr in München fiel gut aus. Wie würden Sie das zweite beschreiben?

Perarnau: Die Bilanz ist etwas schlechter, weil nicht einmal das Double drin war. Aber ich finde, dass Guardiola trotzdem mehr erreicht hat. Zum ersten Mal überhaupt hat Bayern die Meisterschaft nach einem WM-Sieg der Nationalelf gewonnen! Wegen der Verletzungsserie gab es zuletzt Probleme, deshalb bleibt jetzt ein seltsamer Eindruck.

SPIEGEL ONLINE: Was wird Guardiola am Ende über dieses Jahr sagen?

Perarnau: Ich glaube, dass Pep ähnliche Schlüsse zieht. Er wird zufrieden sein mit seinen Spielern, denn trotz aller Rückschläge hat das Team sein System verinnerlicht.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt Menschen, die sagen, Guardiola sei in München gescheitert. Was sagen Sie?

Perarnau: Im Grunde ist Pep doch genauso erfolgreich wie Jupp Heynckes, wenn nicht sogar erfolgreicher. Er gewann zwei Meisterschaften, Heynckes eigentlich nur eine. Insgesamt holte Heynckes vier Titel, Guardiola fünf. Pep muss sich mit dem erfolgreichsten Trainer der Bayern-Historie vergleichen lassen. Das ist schwer. In 115 Jahren schaffte der FCB das Triple nur ein einziges Mal.

SPIEGEL ONLINE: Die Frage, die alle Fußballinteressierten beschäftigt, ist: Wie geht es weiter mit Guardiola und den Bayern?

Perarnau: Pep hat mehrfach bestätigt, dass er sich bei Bayern sehr wohlfühlt, zuletzt auf der Pressekonferenz vor dem Halbfinale. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bald zu Ende geht.

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Foto: Loles Vives

Martí Perarnau, geboren 1955 in Barcelona, ist ehemaliger Leistungssportler. 1980 nahm er als Hochspringer an den Olympischen Spielen in Moskau teil. Als Sportjournalist arbeitete er bei verschiedenen Tageszeitungen in Barcelona. 1992 leitete er das Pressezentrum der Olympischen Spiele in Barcelona. Heute betreibt Perarnau ein Sport-Blog und ist Inhaber einer Werbeagentur. Im vergangenen Sommer erschien sein Buch "Herr Guardiola", für das er Bayern-Trainer Josep Guardiola und dessen Team ein Jahr lang intensiv begleitete.