Interview mit Mirko Slomka: "Ich bin in der Szene ein Begriff" - DER SPIEGEL
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Interview mit Mirko Slomka "Ich bin in der Szene ein Begriff"

Er gilt als Nobody und Notlösung: Schalkes neuer Trainer Mirko Slomka befindet sich auf einem Schleudersitz. Im Interview spricht der 38-Jährige über seinen Ruf in der Bundesliga, den neuen Umgangston mit den Spielern und die Lockerheit seines Vorbildes Arsène Wenger.
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Frage:

Herr Slomka, für viele sind Sie ein Nobody. Helfen Sie uns, wer ist Mirko Slomka eigentlich?

Mirko Slomka: Ich bin nicht ganz glücklich, dass ich als Nobody dargestellt werde. So ist es nicht, ich bin immerhin schon seit 16 Jahren im Geschäft. Viele Kollegen kennen mich, und ich bin in der Szene ein Begriff.

Frage: Als aktiver Fußballer sind Sie nie großartig in Erscheinung getreten.

Slomka: Ich hatte schon immer eher das Gespür, mit Menschen umzugehen, sie anzuleiten, als dass ich selber ein besonderes Talent war. Ich war Ski- und Tennislehrer, um mein Studium zu finanzieren, und hatte mit 21 schon meinen ersten Job als Fußballtrainer.

Frage: Seit zwei Wochen sind Sie Cheftrainer bei Schalke 04. Was hat sich für Sie seit Ihrer Beförderung geändert?

Slomka: Der öffentliche Auftritt ist im Moment überall zu sehen, das ist deutlich mehr als vorher. Aber was die Trainingsarbeit angeht, hat sich nicht so viel verändert. Die Trainingsplanung habe ich als Co-Trainer von Ralf Rangnick eigentlich schon immer gemacht. Jetzt entscheide ich nach Absprache mit meinen Trainerkollegen selbst.

Frage: Was hat sich im Umgang mit der Mannschaft geändert?

Slomka: Es gibt nicht mehr so eine ganz große Nähe, nicht mehr den ständigen Austausch über Klagen und Wehwehchen, da kommen nur noch vereinzelt Spieler zu mir.

Frage: Mussten Sie denn schon laut werden?

Slomka: Ich denke, dass die Spieler schon ein paar deutliche Worte gehört haben.

Frage: Viele sehen Sie als Notlösung, der im Sommer ein großer Name folgt.

Slomka: Das sehe ich ganz entspannt. Selbst wenn sie aus der Not geboren ist, kann man eine solche Chance nicht oft bekommen im Leben. Auch wenn es nur ein halbes Jahr wird, diese Erfahrung kann mir keiner mehr nehmen.

Frage: Und Sie haben die Eintrittskarte für die Bundesliga...

Slomka: Als Cheftrainer in der Bundesliga zu arbeiten, ist ein großes Privileg. Diese Aufgabe ist für mich ein großes Glück, aber auch eine riesige Herausforderung, mich selbst in diesem Beruf zu etablieren. Die Mannschaft muss sich so präsentieren, dass man sagt: Da wird gute Arbeit geleistet. Wenn es nicht funktioniert, ist mein Name auch ganz schnell kaputt. Aber das Risiko gehe ich gerne ein.

Frage: Um weiter im Amt zu bleiben, müssen Sie die Champions League erreichen.

Slomka: Die eindeutige Zielsetzung ist mindestens der dritte Platz. Daran müssen wir uns alle messen lassen. Wenn wir drei, vier Punkte mehr als in der Hinrunde holen, können wir dieses Ziel noch erreichen. Ich denke, man braucht mindestens 65 Punkte.

Frage: Von wem haben Sie sich besonders viel abgeschaut? Gibt es ein Vorbild als Trainer?

Slomka: Es gibt keinen, wo ich sage: Das ist der Typ Slomka. Ich habe besonders von Cesare Prandelli bei AS Rom und Arsène Wenger beim FC Arsenal Dinge mitgenommen, als ich mich dort fortgebildet habe. Auf der einen Seite hat mich das akribische, autoritäre Arbeiten an taktischen Feinheiten bei Prandelli und die Disziplin auf dem Platz extrem beeindruckt. Auf der anderen Seite erreicht Wenger Ähnliches mit einer anderen Arbeitsweise, erscheint dabei ganz locker und entspannt. Eine Mischung daraus versuche ich mir anzueignen. Ich kann ganz hart und laut sein, aber ich kann auch mit Spielern lachen und mal einen Flachs machen. So bin ich auch als Mensch, zu Hause mit meinen Kindern, das ist authentisch.

Aufgezeichnet von Thomas Lipinski und Joachim Neußer, sid