Interview mit Patrick Owomoyela: "Ich will international spielen" - DER SPIEGEL
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Interview mit Patrick Owomoyela "Ich will international spielen"

Für Patrick Owomoyela ist das Argentinien-Länderspiel eine willkommene Ablenkung. Mit seinem Club Arminia Bielefeld kämpft der Defensivkicker um den Klassenerhalt. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht Owomoyela über den deutschen Wettskandal, seinen rasanten Aufstieg und Nestwärme bei der Nationalmannschaft.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Herr Owomoyela, wie geht das Nationalteam mit dem Wettskandal um, der den deutschen Fußball erschüttert?

Owomoyela: Ob Nationalspieler oder nicht, da sind doch alle Fußballer gleich. Wir finden das erschreckend, dass das auch in Deutschland passiert ist. Aus anderen Ländern kannte man so etwas ja schon. Ich hoffe, dass alles schnell aufgeklärt wird. Es wird aber ganz schwer werden, so etwas für die Zukunft komplett zu verhindern. Denn es gibt immer welche, die auf die Schnelle Geld machen wollen. Zum Glück ist die Bundesliga nicht in dem Ausmaße betroffen - zumindest nach dem, was bis jetzt bekannt ist.

SPIEGEL ONLINE: Ihr früherer Verein SC Paderborn ist in den Skandal verwickelt. Schiedsrichter Robert Hoyzer hat zugegeben, beim Sieg im Pokalspiel gegen den Hamburger SV nachgeholfen zu haben. Haben Sie schon mit Ihren ehemaligen Teamkollegen darüber gesprochen?

Owomoyela: Nein, noch nicht. Die waren bis jetzt im Trainingslager und ich habe bewusst nicht angerufen, weil sie sich momentan schon genügend Leuten gegenüber erklären müssen. Aber irgendwann möchte ich schon wissen, wie das denn dort alles genau war.

SPIEGEL ONLINE: Kommen Ihnen - mit dem Wissen, dass in Deutschland tatsächlich Spiele geschoben wurden - noch andere Ergebnisse komisch vor?

Owomoyela: Ich habe mich nie auf dem Fußballplatz extrem benachteiligt gefühlt. Aber unser Amateurteam hat vergangenes Jahr so etwas erlebt (in der Regionalliga verloren die Bielefelder bei den Hertha-Amateuren mit 1:2; die Red.). Schon damals haben sich die Spieler wirklich aufgeregt und im Scherz gefragt, ob der Schiedsrichter bestochen war. Und jetzt ist sicher, dass tatsächlich Spiele manipuliert wurden.

SPIEGEL ONLINE: Betrachten Sie die Schiedsrichter jetzt kritischer?

Owomoyela: Nein, die haben es schon schwer genug. Und schwarze Schafe gibt es überall. Ich glaube, wir haben insgesamt ganz gute Schiedsrichter. Und Fehlentscheidungen muss man akzeptieren. Wir Spieler haben ja auch mal einen schlechten Tag.

SPIEGEL ONLINE: Der Ligaverband will sich jetzt bei der Fifa für den Videobeweis einsetzen. Wie finden Sie das?

Owomoyela: Das ist ein heikles Thema. Eine Torkamera wie im Eishockey fände ich gar nicht so schlecht. Damit könnte man schnell überprüfen, ob der Ball über der Linie war oder nicht. Aber jedes Foul nachträglich mit Hilfe von Fernsehbildern bewerten? Ich weiß nicht. Das würde den Fußball schon sehr verändern.

SPIEGEL ONLINE: Für Sie ist auch einiges neu. Was war Ihr schönstes Erlebnis in den ersten sechs Monaten Bundesliga?

Owomoyela: Meine eigene Entwicklung: Dass ich Stammspieler der Arminia geworden bin und sogar bei der Nationalmannschaft dabei sein darf - das hätte ich so schnell nicht erwartet. Ich hatte nicht einmal daran gedacht.

SPIEGEL ONLINE: Wollen Sie uns wirklich weismachen, dass Sie nicht auf eine Berufung spekuliert hatten? Sie wurden als der Shootingstar dieser Bundesliga-Saison gefeiert.

Owomoyela: Es war keine Leistungsexplosion, ich habe nie Klassen übersprungen, sondern mich kontinuierlich gesteigert. Nach der Regionalliga kam die zweite Liga und dann die Bundesliga. Vor zwei Jahren in Paderborn, war ich zwei Monate lang verletzt. In der Zeit habe ich mir viel vorgenommen und einen neuen Ehrgeiz entwickelt. Seitdem läuft es ganz gut, es ging stetig nach oben.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind Sie als 25-jähriger Nobody, Spitzname "Super-Locke", in der Nationalmannschaft aufgenommen worden?

Owomoyela: Sehr gut. Die anderen Spieler beobachten ja auch die Bundesliga und kennen deshalb die neuen Kandidaten. Also wussten sie, warum ich eingeladen wurde. Es gab überhaupt keine Berührungsängste. Es hat alles gepasst. In der Mannschaft herrscht eine super Homogenität. Wer hier nicht den Großkotz raushängen lässt, wird akzeptiert.

SPIEGEL ONLINE: Es gab aber auch kritische Stimmen, dass Sie nach lediglich 17 Erstliga-Einsätzen vom neuen Bundestrainer Jürgen Klinsmann eingeladen wurden.

Owomoyela: Arne Friedrich hatte vor seinem ersten Länderspiel gerade zweimal in der Bundesliga gespielt, Philipp Lahm hatte 17 Partien absolviert - da wurde gar nichts gesagt. Aber ich nehme es keinem übel. Es ist ja Fakt, dass es sehr schnell ging. Nun hoffe ich, zeigen zu können, dass es okay war, mich in die Nationalmannschaft zu holen.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie Klinsmann für Ihre Berufung in die DFB-Auswahl dankbar?

Owomoyela: Wenn die Türen für neue Talente bei ihm nicht so weit offen wären, hätte ich es vielleicht nicht geschafft, vor allem aber nicht so schnell.

SPIEGEL ONLINE: Planen Sie nun die WM 2006 schon fest ein?

Owomoyela: Ich bin zwar nicht pessimistisch, aber schon skeptisch. Wenn man zu euphorisch ist, kann man leicht enttäuscht werden. Da wir ja mittlerweile 2005 haben, habe ich eine gute Chance, aber sicher ist meine Teilnahme nicht. Da kann vieles dazwischen kommen.

SPIEGEL ONLINE: Beschäftigen Sie sich damit, dass es auch ganz schnell wieder abwärts gehen kann - für Ihren Verein und Sie selbst?

Owomoyela: Ich bin mir im Klaren darüber, dass das passieren kann. Die Bundesliga-Rückrunde wird schwierig. Aber ich werde dafür arbeiten, dass Arminia Bielefeld im Abstiegskampf außen vor bleibt. Und ich werde versuchen, mich weiter für die Nationalmannschaft anzubieten.

SPIEGEL ONLINE: In größeren Vereinen wäre die Aufgabe leichter. Schalke 04 und Hertha BSC Berlin wollen Sie abwerben. Wo spielen Sie in der kommenden Saison?

Owomoyela: Ich weiß, dass es Vereine gibt, die Interesse an mir haben. Doch erstmal habe ich vor, mit Bielefeld den Klassenerhalt zu schaffen. Dieser Aufgabe und der Nationalelf gilt im Moment meine Konzentration. Da ich bei der Arminia einen Vertrag bis 2006 besitze und mich dort sehr wohl fühle, habe ich keine Eile. Doch mittelfristig ist es mein Ziel, auch auf Vereinsebene international zu spielen. Daraus mache ich gar keinen Hehl. Aber ich muss nichts übers Knie brechen. Es werden sicherlich mal Gespräche zwischen anderen Clubs und Bielefeld geführt, und dann wird es irgendwann eine Lösung geben.

Das Interview führte Till Schwertfeger