Interview mit Ronaldo "Es ist der wildeste Traum"
Ronaldo, Sie haben das WM-Endspiel gegen Deutschland mit Ihren beiden Toren entschieden. Was geht in Ihnen vor?
Ronaldo: Erst langsam fange ich an zu begreifen, was passiert ist. Es braucht seine Zeit. Ich bin wahnsinnig glücklich, sehr berührt. Wir haben ein großes Spiel gemacht, Millionen von Menschen viel Freude bereitet. Daran werden wir noch lange zurückdenken.
Haben Sie in den kühnsten Träumen daran gedacht, zwei Tore gegen Deutschland im Finale zu schießen?
Ronaldo: Es ist der wildeste Traum. Ich hatte wirklich keine Zeit, darüber nachzudenken. Es ist großartig. Ich möchte Gott danken, meiner Familie und jemandem, der heute nicht hier ist. Meinem Physiotherapeuten Nilton Petrone, der es mir ermöglicht hat, dass ich spielen kann.
Sie haben jetzt in zwei WM-Turnieren zwölf Tore erzielt und mit Pele gleichgezogen. Gerd Müller rangiert nur noch zwei Treffer vor Ihnen. Haben Sie den Rekord im Visier?
Ronaldo: Den Weltpokal in den Händen zu halten, das ist das Entscheidende. Ein Augenblick, den man nicht vergisst. Der Torrekord ist gut und schön, aber es steht doch immer eine Mannschaft dahinter. Ein Einzelner kann kein Spiel entscheiden. Unsere Mannschaft ist großartig. Wir haben uns den Titel zusammen erkämpft. Andererseits bin ich ein Mensch, der neue Herausforderungen sucht. Natürlich will ich noch so viele Tore wie möglich in WM-Turnieren schießen.
Was ist wichtiger: Nach 40 Tagen wieder Sex zu haben oder den WM-Titel zu erringen?
Ronaldo: Es ist schwer, auf beides zu verzichten. Aber Sex hat nicht den Stellenwert wie eine Weltmeisterschaft, die findet nämlich nur alle vier Jahre statt. Sex werde ich schon in wenigen Augenblicken haben, aber eine WM ist etwas Bedeutenderes.
Wie erleben Sie rückblickend die WM 1998 in Frankreich, als Sie im Endspiel unter mysteriösen Umständen nicht ihr wahres Leistungsvermögen zeigen konnten?
Ronaldo: Ich habe bei den Menschen in Brasilien keine Schulden. Ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dass ich etwas gutzumachen hatte wegen 1998.
Aufgezeichnet von Ralph Durry, sid