Interview mit Rudi Völler: "Ich kann rechnen" - DER SPIEGEL
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Interview mit Rudi Völler "Ich kann rechnen"

Nach dem Sieg in Albanien zieht DFB-Teamchef Rudi Völler ein positives Fazit der bisherigen WM-Qualifikation, warnt aber auch davor, die Teilnahme an der Weltmeisterschaft bereits für gebongt zu halten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein 2:0-Arbeitssieg in Tirana, wie ordnen Sie dieses letzte Saisonspiel ein?

Rudi Völler:

In den beiden Spielen gegen Albanien kannst du nichts gewinnen außer den sechs Punkten, die wir auch eingefahren haben. Diesmal war es sicher sehr, sehr verdient, weil wir uns mehr Chancen erarbeitet und über weite Strecken das Spiel beherrscht haben.

Also ein rundum positiver Saisonabschluss?

Völler: Wir mussten am Ende noch den einen oder anderen Konter setzen, um noch höher zu gewinnen. Aber trotzdem muss man nach so einer extrem schwierigen Saison zufrieden sein, wie die Spieler sich in den drei letzten Spielen nochmals präsentiert haben, mit dieser wirklich profihaften Einstellung. Da waren ja auch Spieler dabei, die schon alles gewonnen hatten mit ihrer Vereinsmannschaft. Das ist schon toll.

Mit 16 von 18 möglichen Punkten liegt Deutschland klar auf WM-Kurs. Können die Zimmer in Japan und Südkorea schon gebucht werden?

Völler: Ich bin zwar kein Pessimist, aber ich kann natürlich rechnen. Wir sind definitiv noch nicht für die Weltmeisterschaft qualifiziert.

Was hat Sie beim Auftritt in Tirana besonders gefreut?

Völler: Wir waren geduldig, haben sicher auch die eine oder andere Torchance zulassen müssen. Dennoch haben wir auch in der Defensive bis auf ein, zwei Abstimmungsfehler in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt.

Dennoch geht die Defensiv-Abteilung etwas kränkelnd in die Sommerpause. Ist das Anlass zur Sorge?

Völler: Im Moment ist die Offensive etwas besser, auch wenn wir die eine oder andere Chance nicht verwertet haben. Aber das kriegen wir hin, wenn die Spieler aus dem Urlaub wieder zurück sind. Man merkt schon, dass die Spieler froh sind, dass die Saison jetzt zu Ende ist. Und dann sind ja auch erfahrene Kräfte wie Heinrich, Wörns, Scholl, Hamann und vielleicht schon wieder Jeremies wieder dabei.

Was sagen Sie zu Sebastian Deisler?

Völler: Sebastian hat auch in Albanien sofort versucht, das Spiel an sich zu reißen. Er hatte einige herrliche Aktionen, musste allerdings auch viel laufen und war in der letzten Viertelstunde ein wenig müde. Es war eine tolle Leistung. Er ist schon eine feste Größe in der Nationalmannschaft.

Und wie sehen Sie Deislers Partner Michael Ballack?

Völler: Bei ihm war es ähnlich wie in Finnland: Er fing in der ersten Halbzeit etwas harmlos an. Aber danach, als der Sebastian müde wurde, hat er das Spiel an sich gerissen und wurde dafür belohnt. Das ist halt so im Fußball, wenn du dich bemühst und die Bälle forderst. Dann macht er ein Traumtor.

Der Verlierer der Saison heißt Oliver Bierhoff. Haben Sie ihm noch einen Rat mitgegeben?

Völler: Der Olli weiß, dass es eine ganz schwierige Saison für ihn war. Er wird jetzt erst einmal versuchen, den Kopf frei zu bekommen und im neuen Jahr angreifen. Wo er dann spielt, muss er ganz allein entscheiden.

Fühlen Sie sich auch selbst urlaubsreif?

Völler: Dieses Jahr war auch für mich sehr abenteuerlich. Es ist schon einiges passiert.


Interview: Jens Mende, dpa

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