Interview mit Schily "Eine ausgewogene und gerechte Verteilung"
Herr Schily, kommt bei Ihnen nach der Bekanntgabe der Spielorte in diesem festlichen Rahmen schon eine Vorfreude auf die WM 2006 auf?
Otto Schily:
Für uns wird es eine phantastische Gelegenheit, uns darzustellen. Eine bessere Möglichkeit gibt es gar nicht. Die Bewerbung war großartig. Alleine, was Franz Beckenbauer als Botschafter geleistet und in der Welt vermittelt hat, war etwas Großes. Man muss ihm dafür danken. Deutschland ist eine fußballbegeisterte Nation, davon bin ich überzeugt. Und das wollen wir bei der WM 2006 auch zeigen.
Können Sie die Enttäuschung der nicht berücksichtigten Städte nachvollziehen?
Schily: Es war meiner Meinung nach eine ausgewogene und gerechte Verteilung der Stadien. Natürlich ist die Situation für Städte wie zum Beispiel Bremen oder Mönchengladbach schwierig und enttäuschend. Aber sie dürfen sich jetzt nicht in den Schmollwinkel zurückziehen, sondern müssen weitermachen. Auch diese Städte müssen mitarbeiten, damit die WM in vier Jahren ein Erfolg wird.
Also gibt es in Ihren Augen gar keine Verlierer?
Schily: Ich sehe nur Gewinner. Wir werden weiter mit den Städten im Gespräch bleiben.
Besonders die Bewerbung von Leipzig soll Ihnen gut gefallen haben.
Schily: Leipzig hatte eine unheimlich sympathische Bewerbung. Sie haben auf die Jugend gesetzt. Das ist in meinen Augen gerade im Hinblick auf die Zukunft und die WM 2006 der richtige Weg. Ich hoffe jetzt auch, dass Leipzig sportlich nach oben kommt, damit der Bund nicht in ein Stadion investiert, in dem nur vier oder fünf WM-Spiele ausgetragen werden.
Befürchten Sie im Hinblick auf den Zeitplan bis 2006 noch irgendwelche Probleme?
Schily: Ich gehe davon aus, dass alle Stadien rechtzeitig fertig werden und es diesbezüglich keine Schwierigkeiten geben wird. Andere Aussagen dazu waren wohl eher ironisch und nicht ganz ernst gemeint.
Aufgezeichnet von Ulrike Lange, sid