Interview mit Uli Hoeneß "Beste Mannschaft der Welt"
Ist der FC Bayern jetzt am Ziel seiner Träume angekommen?
Uli Hoeneß:
Jetzt sind wir am Ende des Weges. Wir haben immer versucht, speziell ich, auf einer gesunden wirtschaftlichen Basis den maximalen sportlichen Erfolg zu erzielen. Und mit diesem Sieg ist der Beweis erbracht, dass es möglich ist. Das ist eine Theorie, die mir kaum einer geglaubt hat. Aber heute ist sie möglich geworden. Ich bin froh, dass wir endlich diesen Pokal gewonnen haben. Jetzt kommt endlich mal dieser Abend, wo man nicht an Morgen denkt, wo man einfach alles laufen lässt, wo man einfach nur genießt. Ich möchte das hier und heute genießen und endlich einmal so richtig feiern.
Ist das modellhaft, was der FC Bayern geschafft hat?
Hoeneß: Ich glaube, es ist nicht nur modellhaft, sondern es muss so bleiben, wenn der Fußball überleben will. Die anderen Vereine denken jetzt über Gehaltsobergrenzen nach und weiß der Teufel was, weil sie mit ihren Mitteln nicht weiterkommen. Ich glaube, dass in den nächsten Jahren ein paar Vereine Pleite gehen und dann wird alles anders werden. Ich habe da ein paar Leute im Auge mit Schulden, dass die Wände wackeln - und ich meine nicht Real Madrid.
Investitionen von 100 Millionen Mark für einen Spieler wird es beim FC Bayern also nie geben?
Hoeneß: Das wird es nie geben. Wer geglaubt hat, dass unsere Überlegungen in Börsen-Dingen oder Beteiligungen von Partnern, die möglich sind, dazu führen sollen, dass wir das ganze Geld in ein oder zwei Spieler stecken, dafür bin ich der falsche Mann.
Wie geschockt waren Sie nach dem frühen Rückstand?
Hoeneß: Der Rückstand störte mich nicht so sehr. Wenn ein Tor in der ersten oder zweiten Minute fällt, hast du noch 90 Minuten Zeit das aufzuholen. Aber der erste und speziell der zweite verschossene Elfmeter im Elfmeterschießen, da habe ich gedacht, da kannst du nie mehr zurückkommen. Das war fast tödlich. Aber wir sind in diesem Jahr wohl prädestiniert für die Spannung und knappe Entscheidungen. Dieses Spiel hat sich nahtlos in die Reihe knapper Entscheidungen eingereiht. Knapper geht's nicht.
Ist es Zufall, dass Bayern-Torwart Oliver Kahn diese Saison gekrönt hat?
Hoeneß: Nein. Wenn das Schicksal gut ist, dann hat Oliver es verdient, dass er derjenige ist, der die Matches gewinnt. Denn er hat jahrelang brutal dafür gearbeitet. Jetzt erntet er das, was er gesät hat. Die sensationellste Entwicklung an ihm ist, dass er seine Emotionen ziemlich unter Kontrolle hat. Das ist für ihn eine sehr schwere Arbeit.
Steht diese Mannschaft jetzt mit der der siebziger Jahre auf einer Stufe?
Hoeneß: Man darf nicht den Fehler machen, etwas zu vergleichen, was 20, 30 Jahre her ist. Tatsache ist, dass diese Mannschaft jetzt in drei Jahren Finale, Halbfinale und Champions-League-Sieg erreicht hat. Das ist eine Ära - und diese Mannschaft ist im Moment die beste Fußball-Mannschaft der Welt, absolut. Da gibt es überhaupt keinen Zweifel. Da können einige Kritiker in Deutschland erzählen, was sie wollen. Sie hat alles geschlagen in diesem Jahr, was sich ihr in den Weg gestellt, Arsenal London, Manchester, Real und jetzt Valencia. Es gibt in Europa nichts anderes, was man noch schlagen kann.
Hat Trainer Ottmar Hitzfeld jetzt seine wichtigste Mission beim FC Bayern erfüllt?
Hoeneß: Der Ottmar hat hier fast immer Erfolg gehabt. Er ist ein Glückskind, und wir hoffen, dass er uns noch lange dieses Glück beschert.