Interview mit Winnie Schäfer: "Was ist das für einer?" - DER SPIEGEL
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Interview mit Winnie Schäfer "Was ist das für einer?"

Im Gegensatz zu Rudi Völler kann Winnie Schäfer als Nationaltrainer von Kamerun bereits für die WM planen. In einem Interview äußert sich Schäfer über das Abenteuer Afrika und die WM-Aussichten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Herr Schäfer, was heißt Viererkette in Kamerun?


Winfried Schäfer:

Sehr witzig. In Kamerun gibt es zwar hundert verschiedene Stammessprachen, aber hier wird auch französisch gesprochen, und da kann ich ein paar Brocken. Zudem habe ich auch einen Dolmetscher. Franz Beckenbauer hat mal gesagt: Den Ernst Happel hat beim HSV niemand verstanden, und trotzdem war er der beste Trainer.


Wie kam der Kontakt mit Kamerun zu Stande?


Schäfer: Ich hatte Anfragen aus dem Ausland und der 2. Liga. Doch das war nicht das, was ich wollte. Dann kam das Angebot aus Kamerun. Die wollten unbedingt einen deutschen Trainer.


Wer war außer Ihnen noch im Gespräch? Wie konnten Sie Ihre Arbeitgeber überzeugen?


Schäfer: Rehhagel, Vogts, Köppel und Stielike waren die anderen Deutschen, die kontaktiert wurden. Dazu kamen Toshack, Penew und Aad de Mos. Ich war beim Treffen mit Mohamed Iya, das ist der Präsident von Kameruns Fußball-Verband, bestens vorbereitet. Ich beobachte Kameruns Fußball schon seit Jahren und bin seit den Auftritten bei der WM 1990 davon fasziniert. Ich wusste daher alles über den Fußball und viel über das Land.


Was denn zum Beispiel?


Schäfer: Kamerun ist Klein-Afrika. Hier gibt es Urwald, Wüste und Strand. Kamerun repräsentiert praktisch den afrikanischen Kontinent und hat Afrika im Fußball die Tür zur Welt geöffnet. Der Fußball hält das Land zusammen und ist ein Spiegel dieses Landes. Das ganze Volk lebt für den Fußball.


Und Sie, leben Sie schon in Ihrer neuen Heimat?


Schäfer: Ich habe ein Apartment in Jaunde. Aber ich bin viel unterwegs. Jetzt reise ich quer durch Europa und schaue mir meine Spieler an, die in England, Frankreich, Italien, Spanien, der Türkei bei Spitzenclubs unter Vertrag stehen. Es gibt zudem irgendwo verborgene Talente. Die will ich finden.


Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?


Schäfer: Ich will Ihnen ein Beispiel nennen. Neulich saß ich zu Hause und habe mir in der Champions League das Spiel zwischen Lazio Rom und dem FC Nantes angeschaut. Bei Nantes spielt Eric Djemba-Djemba, der kommt aus Kamerun. Plötzlich klingelt das Telefon. Am anderen Ende ist mein Präsident, der sich dasselbe Spiel ansieht. Der fragt mich, ob ich gerade die Champions League im Fernsehen schaue, denn dort spielt ja einer aus Kamerun. Den haben wir gleich angeschrieben.


Hört sich abenteuerlich an.


Schäfer: Ich habe noch keinen getroffen, der gesagt hat, ich sei verrückt. Ich finde die Aufgabe super. Meine Familie steht voll dahinter.


Was denken die Spieler von ihrem neuen Chef?


Schäfer: Natürlich laufen die Drähte unter den Spielern heiß. Die reden über mich und fragen einander: Was ist das für einer, der Neue?


Und was hält der Neue von seinen Spielern?


Schäfer: Das sind stolze Jungs. Wenn man die alle auf seiner Seite hat, kann man viel ereichen. Sie spielen für ihr Land, für den Präsidenten, für ihre Familie. Das sind alles gute Jungs. Nicht umsonst heißen sie die "Unbezähmbaren Löwen". Das sind richtige Kämpfer, die müssen Vertrauen zu einem finden.


Haben Sie Vertrauen in Ihr Umfeld? Schließlich hat Kamerun währen der erfolgreichen WM-Qualifikation gleich vier Trainer entlassen?


Schäfer: Ich habe mit dem Präsidenten gesprochen und ihm gesagt, dass ich keine Lust habe, in drei Wochen entlassen zu werden, weil meine Haare denen plötzlich nicht mehr gefallen. Nein, es soll ein Neuanfang im Fußball von Kamerun sein. Mein Vertrag läuft bis nach der WM. Und dann hat Kamerun eine Option, zu verlängern.


Wie gehen Sie mit dem Druck um, die Erben von Roger Milla zu Erfolgen führen zu müssen?


Schäfer: Man will hier, dass richtig und konsequent gearbeitet wird im Fußball. Aber wehe, Kamerun würde so wie Deutschland bei der EM gegen Portugal oder gegen England in der WM-Qualifikation spielen - dann wäre hier der Teufel los. Leider bin ich zehn Wochen zu spät installiert worden. Denn jetzt drängt die Zeit.


Sie haben etwas, das Rudi Völler gern hätte: Das Ticket zur WM 2002. Kamerun ist im Gegensatz zu Deutschland schon für die WM qualifiziert. Würden Sie in Südkorea oder Japan gern gegen Deutschland antreten?


Schäfer: Ich wäre froh und gehe davon aus, das Deutschland es schaffen wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir mit Deutschland in eine Gruppe gelost werden, beträgt drei Prozent. Das haben wir nachprüfen lassen. Kamerun ist kein Fallobst, das irgendwo in eine Gruppe reingedrückt wird. Wir sind Olympiasieger.


Das Interview führte Jörg Kottmeier, sid

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