Italien EM-Held unter Dopingverdacht
Rom - Der Profi-Fußball hat nach Diego Maradona wieder einen prominenten Doping-Sünder: Fernando Couto, portugiesischer Nationalverteidiger in Diensten von Lazio Rom, wurde die Einnahme des anabolen Wirkstoffes Nandrolon nachgewiesen. Dem 31-Jährigen drohen eine mehrjährige Sperre sowie nach dem seit Jahresbeginn verschärften italienischen Doping-Gesetz sogar eine Gefängnisstrafe.
Donnerschlag aus heiterem Himmel
"Ich habe nichts zu befürchten, ich habe nichts genommen. Ich bin sehr verbittert, das war wie ein Donnerschlag aus heiterem Himmel", beteuerte Couto, der in seiner erfolgreichen Laufbahn drei Europapokal-Siege und fünf nationale Meisterschaften feierte. Die positive Probe wurde dem Abwehrspieler am 28. Januar 2001 nach dem 4:1-Sieg von Lazio im Punktspiel beim AC Florenz entnommen. Nach Angaben der Zeitung "La Repubblica" ist Couto in dieser Saison in der Serie A und der Champions League bereits fünf Mal getestet worden. "Das ist alles sehr seltsam. Der Verein steht hinter Couto. Es kann sich nur um einen Irrtum handeln", gab Lazio-Präsident Sergio Cragnotti am Donnerstag auf einer Pressekonferenz die für einen solchen Fall üblichen Statements ab.
Sollte sich der Verdacht gegen Couto bestätigen, muss der EM-Teilnehmer von 1996 und 2000 mit drastischen Strafen rechnen. Die im vergangenen Herbst ebenfalls der Einnahme von Nandrolon überführten Fußball-Profis Christian Bucci und Salvatore Monaco vom FC Perugia wurden vom italienischen Fußball-Verband (Figc) für jeweils 16 Monate gesperrt. Insgesamt ist Couto bereits der neunte "Nandrolon-Fall" in den drei italienischen Profi-Ligen. "Ich fürchte, dass in gewissen sauberen Medikamenten Nandrolon-Rückstände drin sind", ergriff selbst Adriano Galliani, Vize-Präsident des Liga-Konkurrenten AC Mailand, Partei für Couto.
Haft- und Geldstrafen
Der Portugiese muss erstmals zivilrechtliche Schritte fürchten. Bei einer Verurteilung drohen den Fußball-Profis nach dem Anfang Januar in Kraft getretenen Doping-Gesetz in Italien bis zu drei Jahre Haft und/oder Geldstrafen bis zu 100.000 Mark. Gar bis zu sechs Jahren Haft und 150.000 Mark Geldstrafe droht für den Handel und die Verabreichung von Doping-Mitteln. Das Gesetz gilt als das schärfste der Welt.
Der 1,87 Meter große Couto gilt seit vielen Jahren als einer der besten Abwehrspieler Europas. Nach mehreren Jahren bei seinem Heimatverein FC Porto wechselte er 1994 zum AC Parma, mit dem er auf Anhieb UEFA-Cup-Sieger wurde. Mit dem FC Barcelona gewann er zwischen 1996 bis 1998 den Europapokal der Pokalsieger, den europäischen Super-Cup, wurde zudem spanischer Meister und Pokalsieger. 1998 wechselte er zu Lazio Rom: Wieder gewann er ein Jahr später den Europapokal der Pokalsieger und den europäischen Supercup, holte im vergangenen Jahr mit Lazio das Double als Meister und Pokalsieger. Besonders als herausragender Abwehrchef der im vergangenen Jahr bei der EM überzeugenden portugiesischen Nationalmannschaft verschaffte er sich bei Fußballfreunden in aller Welt jede Menge Respekt.