Italien gegen Frankreich: "Das wird eine Schlacht" - DER SPIEGEL
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Italien gegen Frankreich "Das wird eine Schlacht"

Selbst bei einem Sieg droht dem Weltmeister das Aus: Im "Endspiel" der Gruppe C trifft Italien auf Frankreich. Beide Teams müssen gleichzeitig auf die Niederlande hoffen. Einzig Rumänien hat es in eigener Hand - könnte aber unter Umständen sogar bei einer Niederlage feiern.
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Hamburg - In der schon vor Turnierbeginn als "Todesgruppe" bezeichneten Gruppe C könnte am heutigen Dienstag EM-Geschichte geschrieben werden. Denn ohne ein echtes Lebenszeichen von sich gegeben zu haben, wird möglicherweise einer der Kandidaten erfolgreich versetzt. Sieglos in allen drei Vorrunden-Spielen und trotzdem unter den letzten acht des Turniers - das wäre ein Novum in der EM-Geschichte, seit 1980 die Gruppenphase eingeführt worden ist. Italien, Frankreich und Rumänien können dieses Kunststück vollbringen.

Einzig in eigener Hand hat sein Schicksal das rumänische Team. Bei einem Erfolg gegen die bereits als Gruppensieger feststehenden Niederlande wären sie für das Viertelfinale qualifiziert - und Italien und Frankreich gescheitert. Und selbst bei einer Niederlage könnten die Rumänen im Turnier verbleiben, sofern sie im Rahmen bleibt und im Parallelspiel keine Tore fallen.

Ein torloses Remis werden sowohl Italien als auch Frankreich vermeiden wollen, bei einem Sieg sind die Chancen auf die K.o.-Runde natürlich am höchsten. 709 Tage nach dem WM-Finale von Berlin stehen sich die beiden Teams somit erneut in einem "Endspiel" gegenüber - auf das beide gerne verzichtet hätten. Doch aufgrund der bisher enttäuschenden Auftritte steht fest, dass es für einen der beiden die letzte Turnierpartie sein wird.

Entsprechend angespannt ist die Stimmung im Lager der "Squadra Azzurra", die bei einer Niederlage einen historischen Totalschaden erleiden würde. Noch nie in der EM-Geschichte ist ein amtierender Weltmeister bereits in der Vorrunde ausgeschieden. "Das Frankreich-Spiel ist für uns wie ein Finale. Wir müssen da rausgehen und das Spiel unseres Lebens machen", forderte Torhüter Gianluigi Buffon, der Italiens frühzeitigen K.o. mit dem gehaltenen Elfmeter beim 1:1 gegen Rumänien noch verhindert hatte.

Der Hoffnungsträger für viele italienische Fans heißt Antonio Cassano, dem Nationaltrainer Roberto Donadoni wohl eine Chance von Beginn an gibt. "Er hat mir gut gefallen", sagte Donadoni über die Leistung des 25-Jährigen beim 1:1 gegen Rumänien, den er zur zweiten Halbzeit eingewechselte hatte. "Heiliger Antonio, der das Wunder vollbringen soll", schrieb die "Gazzetta dello Sport" über den Stürmer von Sampdoria Genua.

Auch Frankreichs Spielmacher Franck Ribéry, dessen Team seit 30 Jahren nicht mehr in regulärer Spielzeit gegen Italien verloren hat, geizte nicht mit markigen Worten: "Ich erwarte ein heißes Spiel. Das wird eine Schlacht", so der Mittelfeldakteur von Bayern München. "Wir müssen im Kopf bereit sein für dieses Spiel und bis an unsere Grenzen gehen. Das ist unsere letzte Chance." Die Zeitung "Le Parisien" forderte verzweifelt: "Rettet, was noch zu retten ist!" Verzichten muss das französische Team dabei weiter auf seinen Kapitän Patrick Vieira, der wegen seiner Oberschenkelverletzung auch gegen Italien nicht wird spielen können.

Scheinbar mehr als die eigenen Probleme beschäftigte beide Lager jedoch ein möglicher Einsatz der niederländischen B-Elf und die damit einhergehende potentielle Wettbewerbsverzerrung. Angesichts der Vorwürfe von Frankreichs Trainer Raymond Domenech ("Wir müssten schon sehr optimistisch sein, um zu glauben, dass die Niederländer die Rumänen schlagen werden") sahen sich die niederländischen Stürmer Robin van Persie und Ruud van Nistelrooy sogar zu Klarstellungen genötigt: "Ich weiß nicht, was das soll. Ich hasse es zu verlieren. Dabei ist es egal, ob es um ein Ping-Pong-Spiel oder eine Fußballpartie gegen Rumänien geht", sagte van Persie und van Nistelrooy fügte hinzu: "Wir wollen einen sauberen Wettkampf abliefern."

Donadoni hofft auf Bondscoach Marco van Basten, mit dem er jahrelang beim AC Mailand zusammengespielt hat: "Marco ist korrekt, ehrlich und kompetent. Für mich ist das Garantie genug." Van Basten wird wohl einige seiner Stammspieler schonen - die mit Gelb vorbelasteten Nigel de Jong und André Ooijer gelten als Kandidaten. Auch die Offensivspieler Wesley Sneijder und Dirk Kuyt könnten eine Pause, und für sie Arjen Robben und van Persie Spielpraxis bekommen. Angesprochen auf die Vorwürfe der Kontrahenten sagte van Basten trocken: "Wir haben 23 A-Nationalspieler."

Bei einem Ausscheiden steht Donadoni, dem in Italien mangelnde Ausstrahlung und Durchsetzungkraft vorgeworfen werden, ebenso wie Domenech vor der Ablösung. In Italien gilt es als wahrscheinlich, dass dann WM-Erfolgstrainer Marcello Lippi zurückkehrt. In Frankreich ist Didier Deschamps als Nachfolger im Gespräch. Emmanuel Petit, Weltmeister von 1998, sieht eine Ablösung als Selbstverständlichkeit. In Anspielung an die französische Revolution und die Guillotine sagte er: "Wir leben in Frankreich, da ist es normal, dass Köpfe rollen müssen."

fsc/sid/dpa