Jan-Aage Fjörtoft "Ich sterbe aus"
Frankfurt am Main - Eine gehörige Portion schwarzer Humor, ein Schuss Selbstironie gepaart mit fröhlichem Realitätssinn: Selten hat ein Fußballprofi mit einer eher durchschnittlichen Bundesliga-Karriere sich mit witzig-intelligenten Sprüchen so hervorgetan wie Jan-Aage Fjörtoft. Selten wird jemand nach nur 51 Spielen und 14 Bundesliga-Treffern für Eintracht Frankfurt am Samstag im Waldstadion mit einer so spektakulären Abschieds-Gala geehrt wie der bei den Frankfurter Fans zum Kultstürmer aufgestiegene 34-jährige Norweger.
Einen stimmungsvollen Abgang wird es nach zweieinhalb Jahren am Main mit all seinen Höhen und Tiefen geben, wenn der Club und die Zuschauer dem 71-maligen norwegischen Nationalstürmer nach dem Spiel gegen den HSV ein Fest zelebrieren werden. "Ich sterbe aus. Ich bin ein Schlagerstar, ein Star vergangener Zeit", sagt Fjörtoft schmunzelnd über sich. Ab April bis 2003 will er als neue Führungsfigur der "Jungen Wilden" bei IF Stabaek in dem Osloer Erstliga-Vorstadt-Club spielen.
Opernarie zum Abschied
Zum Abschied hat sich der Opernliebhaber auch eine Ehrenrunde zur Musik von Andrea Bocelli ("Time To Say Good Bye") gewünscht. "Ich bin ein Populist", gibt der sympathisch wirkende Angreifer zu, der dank seiner "sozialen Intelligenz" genau weiß, "wo meine Grenzen" sind. Fjörtoft liebt den wortwitzigen Auftritt. Der Name des "Wikingers" ist während seiner kurzen Bundesliga-Karriere von nur 30 Monaten bei der Eintracht Programm geworden. Kaum Worthülsen und stets charmant im Plauderton eines Profis mit Lausbubengesicht.
"Wenn man norwegisches Wasser geholt hat, kann man nicht erwarten, dass es italienischer Rotwein ist", kommentierte der von seinem damaligen Trainer Reinhold Fanz oft verschmähte Profi die sich häufenden Nicht-Berücksichtigungen. Mit würzigen Kommentaren beschrieb er immer wieder trefflich die chaotischen Zustände bei der "launischen Diva am Main" mit den "fliegenden Trainern" in seiner Zeit: Horst Ehrmantraut, Fanz, Jörg Berger, Felix Magath und der derzeitige Interimstrainer Rolf Dohmen.
Witze über Magath, Tänzchen mit der Politikerin
Immer hatte Fjörtoft einen guten Spruch zur rechten Zeit parat. "Die Entscheidung fiel zwischen mir und dem Busfahrer. Leider hatte der seinen Fußballstiefel nicht dabei", kommentierte er mal seine unerwartete Aufstellung durch Magath in dessen Not, nachdem die Offensivabteilung wegen Verletzung völlig dezimiert war. Fjörtoft konterte auf seine Art und schoss je ein Tor in den folgenden drei Spielen. "Dank Magath bin ich der fitteste Norweger", feixte er.
Spätestens am 29. Mai 1999 aber war Fjörtoft zum beliebtesten
Frankfurter Profi aufgestiegen, als der Skandinavier mit seinem "Übersteigertor" zum 5:1 in der 90. Minute gegen Kaiserslautern im Waldstadion die Eintracht vor dem Abstieg rettete. Unvergessen blieb seine kichernde Cola-Attacke auf Trainers Jörg Berger anschließend im Presseraum und sein Walzer mit nackter Brust und Oberbürgermeisterin Petra Roth im Arm. Der spontane Tanz hoch unter dem Tribünendach flimmerte über die TV-Schirme, wanderte durch die Gazetten.
Ein Wanderer hehrt zurück
Sein beeindruckender Auftritt an dem Tag machte Fjörtoft zu einer Symbolfigur in der Stadt mit einem der höchsten Ausländeranteile im Land. Nach zwölf Jahren Wanderschaft bei den Erstligisten in Europa mit bisher 608 Pflichtspielen und 292 Toren in England, Österreich und Frankfurt schließt sich der Kreis. "Das Zittern wird mir fehlen, wenn nur noch 3000 Fans in Norwegen und nicht 40.000 meinen Namen schreien", meint der Norweger.
Von Rainer Fülscher, dpa