Justizwunder: Daum-Prozess vor dem Ende - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Justizwunder Daum-Prozess vor dem Ende

Seit Monaten zieht sich der Kokain-Prozess gegen Fußball-Trainer Christoph Daum vor dem Landgericht Koblenz in die Länge. Nun könnte das an eine Tragikomödie erinnernde Mammutverfahren jedoch ganz schnell vorbei sein.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Koblenz - Am Dienstag wurde Daums Verfahren vom Prozess gegen die beiden Mitangeklagten abgetrennt. "Wir sehen jetzt Licht am Ende des Tunnels", sagte Daum-Anwalt Ralph Mayer auf dem Gerichtsflur. Das verschlankte Verfahren allein gegen Daum werde wohl nur noch wenige Verhandlungstage dauern.

Im Wesentlichen müssten lediglich noch Gutachter im Gerichtssaal gehört werden. Aus Kreisen der Verteidigung hieß es, der Vorwurf der Anklage, Daum habe die Beschaffung von 100 Gramm in Auftrag gegeben, werde vermutlich mangels Beweisen fallen gelassen. Dann bliebe nur noch der Vorwurf des 63-fachen Erwerbs von jeweils drei bis fünf Gramm der Droge. Bislang hatte Daum lediglich den straffreien Konsum von Kokain zugegeben.

Das Gericht verurteilte in der Hauptverhandlung Daums mitangeklagten Dealer, 40, zu viereinhalb Jahren Haft wegen Drogenhandels. Der zweite Mitangeklagte, 55, erhielt zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Betrugs.

Enttäuschter Daum


Bei den vorausgegangenen vertraulichen Gesprächen hatten die Prozessbeteiligten nach Angaben der Verteidiger vergeblich um die Höhe einer möglichen Geldstrafe für Daum gerungen. Daum wirkte sichtlich enttäuscht, dass es noch keine Einigung gab.

Zuvor waren drei Ablehnungsgesuche der Verteidigung von Daums Mitangeklagten gegen den beisitzenden Richter Günter Hagenmeier zurückgewiesen worden. Hagenmeier hatte sich mit zwei Daum-Anwälten zu einem geheimen Gespräch auf einer Autobahn-Raststätte getroffen und damit für Aufsehen gesorgt. In Koblenzer Justizkreisen waren diesen Befangenheitsanträgen reelle Erfolgschancen eingeräumt worden.

Der im Oktober 2001 begonnene Drogen-Prozess gegen Daum soll am 16. April fortgesetzt werden. Der ehemalige Trainer des Bundesligisten Bayer Leverkusen trainiert heute den türkischen Spitzenclub Besiktas Istanbul. Dort wird derzeit über einen Drei-Jahres-Vertrag für Daum diskutiert. Nach der 4:0-Niederlage gegen den Provinzclub Kocaelispor am 3. April im türkischen Fußball-Pokalfinale kritisierte die einheimische Presse, der Trainer sei zu sehr mit seinem Koblenzer Prozess beschäftigt.