Juventus-Bollwerk Minimalismus gestreift
Hamburg - Gestern Abend im Spiel gegen Ajax Amsterdam stellte die Offensive von Juventus Turin bereits nach einer Viertelstunde die Arbeit ein. Der uruguayische Stürmer Marcelo Zalayeta hatte zum 1:0 getroffen. Das musste reichen, tat es auch: die Niederländer kamen zu keinem Treffer mehr, Juve reichte der knappe Vorsprung. Wieder einmal. Für den 27-maligen italienischen Meister war es diese Saison in der fünften Begegnung der Champions League der fünfte 1:0-Sieg.
Je zweimal haben die "Bianconeri" in der Vorrundengruppe C den FC Bayern und Ajax bezwungen. Gegen Maccabi Tel Aviv spielte Juventus bislang nur einmal, im Rückspiel am 8. Dezember in Israel könnte es zum Abschluss der Gruppenphase wieder das Standardergebnis geben. Kritiker sprechen bereits wieder von "Betonfußball" und der Renaissance des so genannten "Catenaccio", jener defensiven Taktik, für die der italienische Fußball mehr berüchtigt als berühmt war.
Die Ergebnisse des Turiner Starensembles um den tschechischen Spielmacher Pavel Nedved, Europas Fußballer des Jahres 2003, sind zumindest eindeutig. Von den bislang 18 Pflichtpartien dieser Saison spielte Juventus 14 zu null. Bislang gab es erst zwei Niederlagen - im Pokal bei Bergamo und in der Serie A bei Reggina. Mit 31 Punkten und 23:4 Toren führt der Agnelli-Club souverän vor Titelverteidiger AC Mailand. Der Berlusconi-Verein hat nach zwölf Spieltagen bereits sechs Zähler Rückstand.
Juventus Turin: Minimalismus gestreift
Nur Lecce (24 Tore) hat mehr Ligatore erzielt als Juventus. Gleichauf liegt Inter Mailand. Das Problem ist allerdings, dass die Mailänder bereits 20 Gegentore kassiert haben. Inter ist zwar als einziges Team der ersten italienischen Liga ungeschlagen, hat aber erst zwei von zwölf Saisonspielen gewinnen können - der Rest waren Unentschieden. Am Sonntag (20.30 Uhr) treffen Inter und Turin aufeinander.
Dann gibt es für Fabio Cannavaro ein Wiedersehen mit seinem alten Club, der ihn nicht mehr haben wollte. Vor der Saison war der 31-jährige Nationalspieler von Inter zu Juventus gewechselt. Für den zweifachen Sieger im europäischen Meisterwettbewerb (1984 und 1995) war der Transfer ein Glücksgriff. Seit Cannavaro zusammen mit Torwart Gianluigi Buffon und dem Franzosen Lilian Thuram (wie einst beim AC Parma) die Abwehr zusammenhält, geht es für Juventus wieder aufwärts.
Vom Hühnerhaufen zur Betonabwehr
Vergangene Saison waren die erfolgsverwöhnten Turiner bereits im Achtelfinale der Champions League ausgeschieden und nur Dritter der Meisterschaft geworden. Der AC Mailand hatte am Ende 13 Punkte Vorsprung. Diese Demütigung wollte der beliebteste Fußballclub Italiens nicht auf sich sitzen lassen. Mit Fabio Capello holte sich Juventus einen neuen Coach. Der ehemalige Trainer des AS Rom, der Marcello Lippi ersetzte, brachte das defensivschwache Team (42 Gegentore in 34 Ligaspielen) wieder auf Vordermann.
Dass Fußball-Ästheten oder solche, die sich dafür halten, der von Capello verordneten Spielweise nichts abgewinnen können, diese gar für rückwärts gewandt halten, stört den 58-Jährigen wenig. Der erfahrene Coach (Spitzname: "Das Kinn") verweist auf seine Erfolge. Und die sind - Schönheit hin oder her - beachtlich. Mit Real Madrid wurde Capello 1997 spanischer Meister. In seiner Zeit bei Milan gewann er viermal den Scudetto, mit dem AS Rom triumphierte er 2001. Jetzt will er seinen ehemaligen Club, für den er als Spieler aktiv war, zum Erfolg führen. Der Anfang ist gemacht, der Juve-Beton hält.