Kahn schießt zurück "Die Leute haben keine Ahnung"
München - Nach der öffentlichen Nörgelei an seinem Lebenswandel und seinen zuletzt gezeigten Leistungen ist National-Torwart Oliver Kahn in die Offensive gegangen und hat seine Kritiker angegriffen. "Ein Prozent der Kritik nehme ich ernst, 99 nicht, weil sie von Leuten kommt, die keine Ahnung vom Torwartspiel haben. Das prallt alles an mir ab", sagte der Keeper des Rekordmeisters Bayern München im Interview mit dem "Kicker" und kündigte an: "Ich gehe meinen Weg. Es kann nicht plötzlich alles falsch sein, was bisher perfekt war. Deshalb werde ich keinen Millimeter abweichen."
Kahn fühlt sich ungerecht behandelt: "Seit Dinge aus meinen Privatleben an die Öffentlichkeit gelangt sind, wird Kahn als Sportler nicht mehr objektiv betrachtet." Vorwürfe, er trainiere nicht mehr so intensiv wie früher, wies der Vize-Weltmeister zurück: "Ich habe in den vergangenen Wochen genauso trainiert wie immer, genauso hart. Es gibt Jüngere, die dieses Pensum nicht durchstehen."
In der Öffentlichkeit werde ein falsches Bild von ihm gezeichnet. Es werde der Eindruck erzeugt, "ich sei permanent auf Festen und Partys, mit Alkohol und Zigaretten. Da lauert einer sechs Stunden auf diesen Schnappschuss. Unsere Welt ist in manchen Bereichen abartig geworden. Wenn ich auf der Wiesn ein Bier trinke, heißt es gleich, der Kahn war wieder die ganze Nacht unterwegs." Auch habe er noch nie eine Zigarette auf Lunge geraucht: "Ich paffe nur ab und zu."
Dass er nach zuletzt zehn Gegentoren in sechs Bundesligaspielen auch sportlich in der Kritik steht, überrascht Kahn nicht. "Wenn es nicht mehr läuft, bist du auch ganz schnell im Gerede, dann bist du auch ganz schnell weg vom Fenster", sagte der 34-Jährige, der auch bei seinem Arbeitgeber FC Bayern trotz aller Verdienste keinen besonderen "Kahn-Bonus" erwartet: "Wer den Erfolg, also das Geldverdienen stört, ist weg. So ist das Geschäft, Kapitalismus pur. Auf diesem Niveau kannst du dir nur selbst helfen. Doch genau dafür werden wir sehr gut bezahlt."
Auch einen angeblichen Machtkampf mit Mannschaftskollegen Michael Ballack dementiert Kahn entschieden. "Es gibt gar keine Differenzen, sondern nur Leute, die zwischen Michael und mich einen Keil treiben wollen. Aber das wird ihnen nicht gelingen. Michael ist für mich einer der wichtigsten Spieler für den FC Bayern und die Nationalelf", so Kahn.
Für die vielen Gegentore in den letzten Wochen hat Kahn nur eine Erklärung: "Im Moment fehlt mir das Glück." Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte zuletzt kritisch angemerkt, dass der Nationaltorwart keine "Unhaltbaren" mehr halte. Für seine eigenen Leistungen legt Kahn selbst höchste Maßstäbe an: "Ich spiele nur, solange ich Topleistungen bringe. Wenn das nicht mehr der Fall ist, bin ich der Erste, der Schluss macht."