Fußball-Abschied: Prinz mit Hang zum Toreschießen
Abschied der Rekordnationalspielerin Die Prinz geht
Man könnte denken, dass man Birgit Prinz damit keinen Gefallen tut. Noch einmal eine Veranstaltung im vollen Rampenlicht, eine Personality-Show - also all das, was die Rekordnationalspielerin so gerne zu vermeiden trachtete. Aber in diesem Fall kommt sie nicht drumherum: Wenn eine so verdienstvolle Fußballerin ihre Karriere beendet, dann ist ein Abschiedsspiel, wie es am Dienstagabend in Frankfurt zu Ehren von Prinz ausgerichtet wurde, das Mindeste, was der DFB tun konnte. Mit Birgit Prinz geht die Erfolgreichste, die der deutsche Fußball hatte.
Sie ist vierfache Weltfußballerin, zweimal gewann sie den WM-Titel, fünfmal war sie Europameisterin, Prinz hat 128 Tore in der Nationalelf erzielt, sie hat 214 Länderspiele absolviert, 14 Mal traf sie bei WM-Turnieren, an denen sie fünfmal teilnahm - die Frankfurterin hat so gut wie alle Rekorde gebrochen, die es im Frauenfußball bis dahin gab. In ihrem letzten Spiel traf sie zweimal, je ein Tor für den FFC Frankfurt und die DFB-Auswahl.
Dass die 34-Jährige trotzdem kein Superstar des deutschen Sports wurde, war allein ihrer Art zu verdanken. Prinz hat es verstanden, der Komplettvermarktung zu entgehen, weil sie die Glätte, die dafür notwendig gewesen wäre, nicht mitbrachte. Prinz gönnte es sich, in der Öffentlichkeit unwirsch aufzutreten, spröde, schlecht gelaunt.
Das hat ihr schnell den Ruf einer schwierigen Person eingebracht. Prinz war keine ewige Lächlerin, ihr fehlte quasi das Magdalena-Neuner-Gen, das es braucht, um vollkompatibel für Medien und die Werbung zu sein. "Ich habe immer nur das gemacht, was zu meinem Berufsbild dazu gehört, und das hat mir gereicht", hat sie einmal gesagt.
Intern wurden ihre Führungsqualitäten immer anerkannt
In ihren Mannschaften, dem FFC Frankfurt, dem sie über viele Jahre die Treue hielt, oder dem Nationalteam, hat denn auch niemand je an ihren Führungsqualitäten gezweifelt. Prinz war selbst dann im DFB-Team noch hoch anerkannt, als sie ihre Leistung ausgerechnet bei der Heim-WM 2011 nicht mehr brachte. Bundestrainerin Silvia Neid nahm Prinz nach dem zweiten Vorrundenspiel aus aus dem Team und machte sie zur Ersatzspielerin.
Das hat Prinz schwer getroffen, sie hat ihre persönlichen Befindlichkeiten jedoch zurückgestellt. und die Degradierung, die man auch als Demütigung hätte ansehen können, akzeptiert. Ihre Pressekonferenz vor dem WM-Viertelfinale gegen Japan war demnach auch so etwas wie das einzig wirkliche Glanzstück dieser aus DFB-Sicht verkorksten Weltmeisterschaft. "Ich habe es nicht geschafft, mit dem Druck umzugehen, den ich mir selbst gemacht habe", hat Prinz damals gesagt. Sie hat das ganz nüchtern festgehalten, da gab es keine Tränen, kein Selbstmitleid. Professioneller geht es nicht.
Prinz hat den weiten Weg mitgemacht, den der Frauenfußball aus der Nische bis zur Event-Sportart 2011 gegangen ist. Ohne es zu wollen, hat sie mit ihren Leistungen selbst viel dazu beigetragen, dass der Sport im Vorjahr zum Hype hochgejubelt wurde. Mittlerweile hat sich die Szene beruhigt, die Ligaspiele sind wieder bei ihren bestenfalls vierstelligen Zuschauerzahlen angekommen. Fußballerinnen sind wieder zuallererst Sportlerinnen und keine kickenden Models mehr. Ganz im Sinne von Birgit Prinz. Die sich für Fußballprojekte in Afghanistan engagierte und als Anti-Rassismus-Botschafterin der Fifa war. So etwas war ihr wichtig.
Neben ihrer Fußballkarriere hat Prinz Psychologie studiert. Auf diesem Feld will und wird sie künftig arbeiten. Ihre Expertise wird gefragt sein. Beim Bundesligisten 1899 Hoffenheim hat sie bereits hospitiert. Anfragen liegen ihr genügend vor.
In den Fluren des afghanischen Fußballverbandes in Kabul, ungefähr der Ort, an dem Event-Fußball am allerweitesten entfernt ist, hängt das Poster eines Fußballstars. Es ist nicht Lionel Messi, es ist auch nicht Cristiano Ronaldo. Das Poster zeigt Birgit Prinz.