Kick It: Bayer(n), gebt uns ein bisschen Zeit - DER SPIEGEL
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Kick It Bayer(n), gebt uns ein bisschen Zeit

Über das Ende einer Bundesligasaison, und warum es gut ist, dass Fußball nie aufhört.
Von Katrin Weber-Klüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Gute am Fußball ist, dass jede Saison ein Ende hat. Man muss nicht mehr zittern und bangen und Tordifferenzen und nächste Gegner studieren. Die Gewinner freuen sich ein Loch in den Bauch und begießen sich gegenseitig mit Bier. Im Feiern sind alle irgendwie gleich. Besonders in München, wo sie im Schnitt in jeder zweieinhalbten Saison Meister werden. Das passt bald nicht mehr auf den FC-Bayern-Briefkopf. Zählen tut es dort eh keiner.

Das Schlimme am Fußball ist, dass jede Saison ein Ende hat. Man kann nicht mehr zittern und hoffen und sich ausmalen, welcher Triumph am Ende steht. Die Verlierer vergraben die Köpfe in den Händen und dann ist erst mal gar nichts mehr. Es gibt nichts, worüber man reden möchte. Christoph Daum sagte am Sonnabend in Unterhaching: "Gebt uns ein bisschen Zeit."

Wenn die Zeit gekommen ist, und das ist sie wahrscheinlich schon jetzt, wird es rattern in den Leverkusener Köpfen. Warum ist es schief gegangen im allerletzten Moment? Warum war der Zauber, der die ganze Saison funktioniert hatte, ausgerechnet jetzt ein fauler?

Als sie am Sonnabend im Terminal E des Münchner Flughafens auf ihre Maschine nach Hause warteten, waren die Leverkusener stumm und in sich gekehrt. In der Wartehalle war kaum etwas anderes zu hören als der Fernseher in einer Ecke des Bistros, auf dem "ran" gezeigt wurde. Den meisten Spielern war es egal. Sie hockten in schwarzen Ledersesseln und warteten. Auf den Flug und darauf, dass langsam die Enttäuschung hochsteigen würde.

Die Fassungslosigkeit, die erste Meisterschaft verspielt zu haben, war zu groß gewesen in Unterhaching, als dass sie sich dort hätte entladen können. Fast gespenstisch. Die Spieler brachen nicht beim Abpfiff weinend auf dem Rasen zusammen, und es zertrümmerte auch keiner in maßloser Wut Kabineninterieur oder vermöbelte einen Kameramann. Man hätte es verstehen können.

Das Gute ist, dass Fußball nie aufhört. Es geht immer weiter. Morgen ist in München der Triumph von gestern nur noch der Rest eines Katers. In Leverkusen aber weiß noch niemand, was jetzt passiert, wo das Briefpapier nicht geändert werden muss. Das Schlimme am Ende einer Saison ist, dass es kein Spiel mehr danach gibt.