Kick It: Daums Catch 22 - DER SPIEGEL
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Kick It Daums Catch 22

Christoph Daum und Bayer Leverkusen müssen derzeit kräftig einstecken. Dabei wollen sie doch nur den deutschen Fußball retten.
Von Katrin Weber-Klüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Trainer werden ist nicht schwer, Trainer sein dagegen sehr. Und erst mal Trainer bleiben. Erst recht, wenn man noch gar nicht da Trainer ist, wo man bald Trainer sein will. Christoph Daum ist gerade in einer ziemlich blöden Lage und muss vermeiden, bald Ex-Bundestrainer in spe zu sein.

Kommt ein Mann zu seiner Frau und sagt: "Liebling, wir führen seit Jahren eine so tolle Ehe. Ich finde, wir machen noch ein Jahr weiter, dann gehst Du zu diesem schmucken Kerl, den Du aus der Ferne eh anhimmelst, denn er ist noch viel reicher und schöner und berühmter als ich." Da fällt die Frau dem Mann um den Hals und jauchzt: "Danke Schatz, super Plan!"

Fortan geht sie beschwingt ihren Alltagspflichten nach, und es macht ihr gar nichts, dass ihr Mann gerade die tollsten Haushaltsgeräte verkauft hat und ihre Lieblingsküchenmaschine wegen Altersschwäche dauernd kaputt geht. Es ist trotzdem ein wunderschönes Jahr. Schön wär's.

In der Leverkusener Wirklichkeit geht die Geschichte natürlich anders: Die Emerson beraubte und Kirsten oft missende Bayer-Elf spielt schlechten Fußball erfolglos, ganz Leverkusen ist mutlos, Christoph Daum ratlos. Und: Es ist alles keine Überraschung. So absehbar war es, zu welchen Komplikationen dieses komische Daumsche Trainertransfermodell mit Ansage führen würde, dass nun Woche für Woche Schadenfreude mit Ansage über Leverkusen schwappt.

Denn Bayer Leverkusen gibt seit Jahren gern (und oft zu Recht) damit an, wie gut der Verein geführt wird. Und Christoph Daum ist zwar selbst wahnsinnig dünnhäutig (manchmal zu recht), aber noch besser ist er im Austeilen. Sie haben gedacht, sie seien berufen, den deutschen Fußball zu retten. Hochmut kommt vor dem Fall. Jetzt müssen sie einstecken.

Jetzt droht der Ein-Jahres-Plan über ihnen zusammenzubrechen. Rudi Völler ist gerade dabei, der beliebteste Chef der Nationalmannschaft aller Zeiten zu werden. Christoph Daum steuert Leverkusen derweil in Mittelmaß und Depression. Gerade hat Bayer zu Hause gegen Rostock verloren. Eigentlich gewinnt Rostock auswärts nie und Leverkusen verliert zu Hause nie. Selbst das hat sich nun erledigt. So weit ist es schon.

Andernorts würde vielleicht langsam in irgendeiner Ecke jemand verschämt anfangen, darüber nachzudenken, ob, na ja, vielleicht, also möglicherweise, äh, nun ja, die - also gut: Trainerfrage - puh, jetzt ist es raus - akut wird. Jetzt und nicht in 200 Tagen.

Aber in Leverkusen ist der Trainer sakrosankt. Sowieso und außerdem: Wie sähe das aus, einen Bundestrainer in spe in Frage zu stellen? Die nationale Verantwortung, die das Dilemma erst ausmacht, macht es gerade auch unlösbar. Catch 22.

Was sollen sie also in Leverkusen anderes tun, als auf ein Wunder warten, auf viel mehr Erfolg des Vereins und etwas weniger der Nationalmannschaft? Wunder geschehen ja. Nur: Nie bei Leverkusen. Und wenn, dann sind es Wunder von Unterhaching. Selbst die Hoffnung auf himmlischen Beistand also kann man sich bei Bayer schenken.