KICK IT Effenberg, du holde Gleichgültigkeit
Es gibt Versuchsanordnungen, die belegen, dass es einem Torwart rein biomechanisch nicht möglich ist, einen vom Elfmeterpunkt getretenen Ball regelgerecht zu halten. Solange der Ball nur flach und nahe genug an den Innenpfosten geschossen wird, ist er immer schneller im Netz, als es der Torwart in der Seitbewegung bis zum Pfosten schaffen kann.
Trotzdem scheitern Elfmeterschützen in erklecklicher Zahl, im Schnitt bei fast jedem dritten Elfmeter. Gern tun sie es in spielentscheidenden Situationen. Besonders gern Stefan Effenberg. Am Sonntag sagte er lapidar "nicht besonders gut geschossen", nachdem er die Führung und einen möglichen Sieg des FC Bayern München beim Hamburger SV vergeben hatte. Unbenommen hatte er einen Fachmann als Gegenüber. Kein Torwart kann so gut erahnen, was der Schütze im Sinn hat, wie Hans-Jörg Butt, der selbst ein hervorragender Elfmeterschütze ist.
Aber was Effenberg da als halbhohen Schuss mit Ansage der Richtung angeboten hatte, hätte vermutlich auch Michael Tarnat problemlos pariert.
Warum hat Stefan Effenberg so schlecht geschossen? Bei den meisten scheiternden Schützen ist es eine Frage der Nerven. Aber Stefan Effenberg hat ja gar keine. Er ist cool.
Es könnte sich vielmehr um schleichende Lustlosigkeit handeln, um einen Mangel an leistungsfördernder innerer Spannung. Es ist nicht lange her, da hat Effenberg schon einen wichtigen Elfmeter versemmelt. Im Juni 1999 leitete er im Pokalfinale gegen Werder Bremen die Niederlage des FC Bayern im Elfmeterschießen ein. Womöglich war es Effenberg egal, ob er diesen reputationsschwachen Wettbewerb nun gewinnen würde oder nicht. Wie man weiß, hatten er und seine Kollegen sich zuvor gerade sehr ins Zeug gelegt, ein bedeutenderes Finale in den Sand zu setzen.
Auch in dieser Saison sind sie noch in der Champions League vertreten. Ebenso im Pokalwettbewerb. Im Gegensatz zur vergangenen Saison wird in München aber dieses Mal nicht vom Triple getönt. Vermutlich ist der Masterplan, die Champions League heimlich zu gewinnen. Und die Konzentration darauf, die Schmach von Barcelona auszuwetzen, ist bei so einem wie Effenberg derart groß, dass er die Bundesliga nur noch als Begleitprogramm wahrnimmt.
Nach dem Spitzenspiel zwischen Bayern und Leverkusen am Mittwoch wird man es besser wissen. Seit 1989 hat Bayer nicht mehr bei den Bayern gewonnen. Seitdem sind die Münchner vier mal, Bayer aber nie Meister geworden, so wie sie es auch vorher nie gewesen waren. Man kann sich also denken, wer diesem Titel mehr Leidenschaft entgegen bringen würde. Findet auch Effenberg. Er sagt: "Für Leverkusen ist die Ausgangsposition so gut wie nie."