KICK IT: Icke kommt von Kicken - DER SPIEGEL
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KICK IT Icke kommt von Kicken

Warum Thomas Häßler, genannt Icke, in seinem bisherigen Leben nie Gefahr lief, einen wirklich folgenschweren Fehler zu begehen. Und jetzt auch wieder richtig Fußball spielen kann.
Von Katrin Weber-Klüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Alle lieben Icke. Icke ist super. Er ist ganz klein und kann ganz toll Fußball spielen. Er kennt irre Tricks und schlägt prima Haken. Und wenn er fintenreich ein Tor schießt, wie das 2:1 von München 1860 gegen Freiburg, dann hat er hinterher keine markigen Männerposen parat, nein, er lässt sich über den Boden rutschen und hockt dann mit ausgestreckten Beinen auf dem Hintern. Wie ein Junge im Sandkasten.

Icke ist so klein, ihm kann man gar nicht böse sein, selbst wenn er mal schlechte Tage hat. Denn dann ist es bestimmt nicht seine Schuld, wie etwa beim Effenberg oder der ganzen Dortmunder Horde, all diese arroganten Emporkömmlinge, die beleidigt zurückblaffen, wenn sich die Fans beschweren, dass sie für ihre Millionen vielleicht ein bisschen wenig tun. Der kleine ist zwar auch Millionär, aber weil er so klein ist, glaubt das niemand wirklich. Vermutlich hat eh die Angela das ganze Geld irgendwo deponiert.

Ach, nichts macht der Icke so gern wie Kicken. Kicken, kicken, kicken. Zur Entspannung vielleicht noch Gameboy spielen. Aber sonst: kicken, kicken, kicken. Wenn es um seine Freistöße geht, wird der kleine Icke gern mit dem Titel Professor bedacht. Weil er vorher manchmal so aussieht, als berechne er tatsächlich gerade Flugkurven und Bewegungswahr-scheinlichkeiten in der Mauer.

Geht es aber um Dinge, die außerhalb des Fußballfeldes stattfinden, dann ist der kleine Icke wie jeder clevere Bursche, der behauptet, er persönlich habe ja nun wirklich nie einen Hund gewollt, wenn in der Familie die Frage des Gassi-Gehens erörtert wird. In Ickes Welt ist es also so, dass doofe Sachen wie Vertragsverhandlungen, die den kleinen Icke sehr langweilen, immer Frau Häßler macht. Man könnte nun meinen, sie sei seine Erziehungsberechtigte.

Aber sie ist seine Managerin und noch auch seine Ehefrau. Denn tatsächlich ist der kleine Icke schon 33 Jahre alt. Und sogar dreifacher Vater. Aber alle Welt behandelt ihn, als sei er sechs. Und nachdem sich nun Frau Häßler vor den Augen des kleinen Icke mit dem Vereinsmanager liiert hat, haben sich im Löwenclub natürlich alle große Sorgen gemacht. Der Trainer hat erklärt, man müsse dem kleinen Icke jetzt helfen (er hat aber nicht kleiner Icke gesagt, sondern "Thomas Häßler"). Und einer der Mitspieler fährt den kleinen Icke seitdem im Auto herum. Der Manager ist weg. Der einzige, der zu alledem keine öffentlichen Mitteilungen gemacht hat, ist der kleine Icke selbst.

Das war schlau. Denn wenn man nichts sagt, sagt man auch nichts Falsches. Und wenn man die anderen reden lässt, dann reden auch nur die sich um Kopf und Kragen. Man sieht: In Sachen Imagepflege können sich zu Wort- und Wutausbrüchen neigende erwachsene Fußballer noch sehr viel abgucken vom kleinen Icke. Der hält einfach den Mund, dann denken alle, die anderen seien die Bösen. Den Icke aber haben alle ganz doll lieb.