Kick-it Klein, aber mit Trainerschein
Morgen Kinder wird's was geben - nämlich: Berti Vogts' erstes Training mit den Profis von Bayer 04 Leverkusen. Toll! Wieder eine Invasion des Medienproletariats, das herumlungert und auf ein paar Happen Absurditäten wartet. Der Schauplatz ist allen inzwischen bestens vertraut, so wie sie in diesen Wochen in Leverkusen mit Boulevard-Junkfood um sich geworfen haben. Aber nun ist Schluss mit aller Daumschen Völlerei, mit Drogen und Verleumdungen und Exegesen darüber, wer was wann getan, gewusst oder gelassen hat. Wir kehren zurück zu altbackener Fußballkost.
Also Berti Vogts. Da weiß man gleich, dass der Spaß vorbei ist. Einerseits. Andererseits hat der im niederrheinischen Kleinenbroich lebende Fußball-Lehrer einen exzeptionellen Unterhaltungswert als, nun ja, Berti-Vogts-Darsteller. Unlängst noch hat Vogts als RTL-Champions-League-Fachmann seine TV-Partnerin Birte Karalus mit seiner ewigen Besserwisserei dauerzurechtgestutzt. Nicht, dass Karalus es nicht verdient hätte. In der Tat waren Birte/Berti ein perfektes Paar: Sie waren die gerechte Strafe füreinander. Der doppelte Blondinenwitz. Sehr lustig.
Nun hat Berti Birte verlassen. Um "wieder zu arbeiten". Aber wird er uns auch weiterhin unterhalten? Wird weiter unter jedem seiner moralinübersäuerten Sätze das unausgesprochene "Ich, ich, ich, ich mache immer alles richtig, aber die Welt um mich herum ist so dumm" stehen, der Katechismus des kleinen Mannes? Wird er zugleich weiter am Ich scheitern und sich ins "man" flüchten? "Man macht sich Gedanken." - "Man formt eine Mannschaft." So in etwa. Grauenvoll. Man kennt das. Zum Schreikrampf bekommen. Zum auf den Fernseher hauen. Zum sich Nie-mehr-ein-Länderspiel-gucken schwören.
Geschenkt. Vergangenheit. Jetzt ist Bundes-Berti auf Bayer-Berti-Format geschrumpft. Vergangenen Sonntag präsentierte Sat.1 ein groß angekündigtes Interview, das auf einem Flughafen stattfand. Berti Vogts war auf dem Weg zur Spielerbeobachtung, und zwar nicht wie üblich bei Bayer in Brasilien, sondern in - Argentinien. Das ausgestrahlte Gespräch war 4:02 Minuten lang und wurde dreimal durch den Info-Eliten-Hinweis "Berti Vogts - das Interview" unterbrochen.
Die Rest-Zeit reichte Vogts, der überraschend entspannt war und sogar ab und an unverkniffen lächelte, für die wie üblich humorfreien Vogts-Mitteilungen: Er ist "ein Kind der Bundesliga", hat "federführend" gearbeitet, plant nun, "Spieler zu formen", und zwar als "Cheftrainer" und nicht als "Teamchef". Damit das mal klar ist: Teamchef sind nur so ungelernte Burschen wie Völler oder einst Beckenbauer. Ein Vogts ist vielleicht klein, aber er hat einen Trainerschein.
Am Ende ging es noch um "Ansätze" für DFB-Reformen. Über seine eigenen Konzepte für das Gute im Fußball redet Vogts ja nun auch schon so lange, dass man gerne mal eines dieser Didaktik-Konvolute durchforsten würde, um zu gucken, ob da überhaupt etwas drin steht. Man macht sich ja auch so seine Gedanken. Aber egal. Wirklich wichtig ist nur: Was wird aus Birte Karalus? Man rätselt weiter.