Kick it Niemand gewinnt nie
Überraschender Weise steht Borussia Dortmund noch immer nicht auf einem Abstiegsplatz. Man kann es drehen und wenden wie man will, bei einem Sieg über Bielefeld hätte der BVB sogar nur einen Punkt Rückstand auf einen Uefa-Cup-Rang gehabt. Das ist die Wahrheit. Und da wundert die alte Wahrheit sich selbst: Dieser BVB, sowas.
Und dann schüttelt sie den Kopf und betrachtet die Statistiken: Dortmund ist der einzige Bundesligaverein, der 2000 nicht ein Spiel gewonnen hat. So schlecht ist nicht mal Duisburg. Ganze vier Punkte hat die Dortmunder Mannschaft in acht Spielen gemacht. Hochgerechnet auf die restliche Saison kämen da am Ende 36 Punkte heraus. Das wäre zweitklassig. Aber Dortmund steht noch einer Begegnung mit Inter Mailand um einiges näher als einer Auswärtsreise nach Mannheim. Es ist nämlich so, dass in der Liga eine fürchterliche Unordnung herrscht. Außer den beiden Vereinen ganz unten und den beiden ganz oben, weiß keiner, wo er hingehört. Und am wildesten geht es in der direkten Dortmunder Tabellennachbarschaft zu. Da inszeniert Stuttgart die Saison als Achterbahn. Mal eine fast vereinsrekordverdächtige Niederlagenserie, dann ein Triumph über Bayern, nun wieder zwei Debakel in Folge. Bei einem Sieg in Gelsenkirchen wäre Stuttgart trotzdem Rang sechs sehr nahe gewesen. Was nun der FC Schalke ist, der bei einer Niederlage gegen Stuttgart in die Gemeinschaft der Abstiegskandidaten aufgenommen worden wäre.
Dortmund aber ist das größte Durcheinander. Und ein Mirakel. Es hört sich zwar an wie ein Märchen aus einer anderen Zeit, aber doch ist wahr, dass der BVB im Oktober Tabellenführer war. Drei Spieltage lang. Dann müsse, wie nun der Fernsehweise Herr Breitner mit dem rosa Oberhemd orakelte, "etwas passiert sein, wovon wir nichts wissen." Und wovon wir, laut Breitner, auch nichts erfahren werden. Schade.
Was kann es bloß gewesen sein? Eine Schlägerei zwischen Lehmann und Barbarez? Hat Reuter jemanden durch ein gesungenes Ständchen beleidigt? Bestehen unüberbrückbare Differenzen, weil Ikpeba Ricken den angestammten Kabinenplatz geklaut hat? Oder ist die Elf ständig dehydriert, weil nach Häßler keiner mehr die Wasserkästen trägt?
Im Verein weiß man auch nichts genaues, aber jeder weiß etwas anderes. Lehmann sieht Hierarchieprobleme, Möller spielerische, Ikpeba beklagt Egoismus, Trainer Krauss die Verletztenliste. Da bräuchte er allerdings nur mal nach Freiburg zu gucken, dann würde ihm das Klagen beschämt im Halse stecken bleiben.
Aus Baden hat die alte Wahrheit aber auch noch Mutmachenendes zu berichten: Niemand gewinnt nie. Der Karlsruher SC hat es nach 16 sieglosen Spielen bewiesen. Für den BVB läßt das auf einen prima Start in die Saison 2000/2001 schließen. Wo auch immer.