Kick It: Selbst Hoeneß beschwert sich - DER SPIEGEL
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Kick It Selbst Hoeneß beschwert sich

Haben Fußballer eigentlich einen Unterhaltungsauftrag? Oder nur die Verpflichtung zu gewinnen, egal wie? Beim FC Bayern kann man das sehen wie man will, recht hat man immer oder nie.
Von Katrin Weber-Klüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn man nicht gerade Anhänger ist, gibt es immer was zu meckern am FC Bayern München. Und sei es aus dem niederen Instinkt des schnöden Neides, weil die Bayern über kurz oder lang immer alles gewinnen - international allerdings zugegebenermaßen eher über sehr, sehr lang.

Natürlich ist das Genöle billig. Wenn sie schön und erfolgreich spielen, sind Kahn und Co. übermenschliche Monster. Wenn sie nur erfolgreich, aber nicht schön spielen, sind sie arrogante selbstgefällige Kerle, die sich zu gut sind, in der Bundesliga alles zu geben, weil sie in Gedanken in Paris und Manchester und Mailand sind. Pah, sagt man dann in all seiner menschlichen Durchschnittlichkeit zum Beispiel als Anhänger des 1. FC Köln, da haben die so ein Scheißspiel hingelegt und mit Dusel wieder gewonnen.

Und? antwortet der Bayern-Fan, pragmatisch wie jeder Vereinsanhänger, Hauptsache gewonnen. Wie? Ist doch egal!

Egal? Stimmt gar nicht. Oliver Kahn hält wie üblich die Moral hoch. "Wir arbeiten während des Spiels 90 Minuten, um zu gewinnen. Das sieht vielleicht von außen nicht so aus, aber jeder gibt jedes Mal alles", sagt der Musterprofi, der lustloser Berufsauffassung unverdächtig ist; allerdings auch begünstigt dadurch, dass er im Tor kaum durch Herumschleichen auffallen kann.

Nur ist es ziemlich blöd, wenn man von außen nicht sieht, wie sehr sich die Superkicker anstrengen. Denn, mal so ganz unter uns, das Spiel findet ja auch deshalb vor Publikum im Stadion und am Fernsehen, nicht aber auf einer abgeschiedenen Wiese in der einsamen Walachei statt, damit sich eben dieses Publikum am Spiel erfreue. Bekanntlich zahlt es dafür, zugegeben freiwillig.

Richtig Kasse aber macht Bayern international. Weswegen es also rein wirtschaftlich betrachtet legitim ist, der Kundschaft in der nationalen Provinz Schonkost vorzusetzen, während die üppigen Menüs in der Champions League aufgetischt werden.

Beschweren darf man sich darüber nicht, wenn es nach Bayerns Chefkoch Ottmar Hitzfeld geht: "Es lässt mich kalt, was bezahlte Kritiker sagen, ich muss sehen, dass wir über die Runden kommen."

Aber Moment: Den Nörglern redet einer das Wort, der der kleingeistigen Bayern-Feindschaft unverdächtiger ist als irgendjemand sonst auf der Welt. Uli Hoeneß schäumte in Köln: "Wir haben viel zu lasch gespielt. Wenn man hier 1:0 führt, muss man die auseinander nehmen." Da ist also noch einer, der immer und überall Spaß am Fußball haben will. Man kann das unersättlich finden. Oder leidenschaftlich. Leidenschaft ist besser.

Danke, Uli Hoeneß!