Kick It: Supertypen - DER SPIEGEL
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Kick It Supertypen

Wen eigentlich interessiert, ob Christoph Daum je in seinem Leben gekokst und sich von Prostituierten hat bedienen lassen?
Von Katrin Weber-Klüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Frage, ob der designierte Bundestrainer sich mit Drogen und/oder Nutten eingelassen hat, scheint Franz Beckenbauer, Gerhard Mayer-Vorfelder, Reiner Calmund auch Uli Hoeneß doch wohl eher weniger zu beschäftigen. Nur um hier mal einige zu nennen.

Überall, also auch in München, haben sie die Gerüchte um Daums Gewohnheiten schon ewig gekannt. Bei Daums Beförderung zum Teamchef in spe indes waren sie für alle Beteiligten noch ohne Belang. Und nun ist ein koksender Bundestrainer auf einmal nicht haltbar?

Alles was sich geändert hat, ist, dass die Gerüchte dank Hoeneß seit zwei Wochen öffentlich seziert werden. Seither palavern Gott und die Welt über Daums Charakter und seine Schwächen, sammeln seine Peinlichkeiten in Stil- und Umgangsfragen, schütten sich über das Mittel der Haaranalyse und über den Grund für Nasenoperationen aus. Warum auch immer Daum sich viermal an der Nase herumdoktern ließ: Einen schlechteren Trainer hat das offensichtlich nicht aus ihm gemacht.

Aber wen interessiert noch fachliche Qualität? Jetzt, wo wieder ein Tabu gefallen ist.

Hoeneß hat für einen Moment aus der geschlossenen Fußballgesellschaft, in der man - Ehrensache, haha! - über pikante, peinliche oder primitive private Vorlieben der anderen vornehm schweigt, ein Objekt des öffentlichen Kaffeeklatsches werden lassen. Er hat Daum nicht angeschwärzt, weil er dessen Privatleben tatsächlich anstößig findet, sondern weil er ihn nicht leiden kann. Das ist Scheinheiligkeit Nummer eins.

Scheinheiligkeit Nummer zwei: Der Männerbund der Fußballmacher ist nicht alarmiert über das, was Daum getan haben mag, sondern darüber, dass es nun jeder weiß.

Von außen betrachtet ist das für einen Moment lang ja sogar lustig. Wie sie sich jetzt alle winden, die ehrenwerten Herrn! Als hätten sie Angst, Hoeneß könne nur der Anfang der Selbstentblößung sein. Seht her, hier haben wir noch einen Ehe brechenden Manager. Und hier einen trunksüchtigen Präsidenten. Und dort einen Trainer, der sich die Fußnägel nicht schneidet.

So weit wird es nicht kommen. Denn wenn sie sich auch gerade alle spinnefeind sind zwischen München und Leverkusen, werden sie doch bald wieder gemeinsam schweigen. Am Ende, eher früher als später, würde alles andere nur ihre eigenen Peinlichkeiten ans Licht zerren.

Herr, hilf, was sind das für Männer, die den Fußball führen! Wenn etwas peinlich ist, dann sie.