Kick It: Sympathy for the Devil - DER SPIEGEL
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Kick It Sympathy for the Devil

Mit Bayern München mitzufiebern, ist nun wirklich nicht jedermanns Sache. Aber wenn sie richtig guten, leidenschaftlichen Fußball wie im Pokalfinale spielen, gibt man seine Positionen manchmal eben doch auf. Ja, es gibt solche Tage.
Von Katrin Weber-Klüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das darf man eigentlich niemandem erzählen. Abgrundtiefe Abneigung ist im Fußball schließlich erstens heilig und zweitens für immer. Man verlässt ja auch nicht seinen Lieblingsverein, nur weil der immer schlechten Fußball bietet, immer pleite ist und immer abstiegsgefährdet.

Vermutlich aber ist es so: Frauen sind angelegentlich ziemlich einfach zu kriegen. Manche jedenfalls. Sitzen so rum, gucken im Fernsehen ein Pokalendspiel und stellen plötzlich fest, dass sie eigentlich für Bremen sein wollten - weil sie vernünftigerweise eher Menschen kennen, die mit Bremen sympathisieren, als solche, die dem Rekordtitelträger anhängen, weil deren demonstrative Überheblichkeit immer etwas anstrengend ist.

Wie auch immer: Es funktioniert an diesem Tag nicht mit der Unterstützung für die Bremer. Nicht nur, weil die so lauwarm vor sich hinkicken. Nein, viel mehr noch, weil die anderen genau das Gegenteil tun. Richtig gut und richtig leidenschaftlich spielen. So, dass es Spaß macht, ihnen zuzusehen. Spaß! Ihnen! Den Spielern des FC Bayern München!

Sie laufen Sturm und sehen ganz unzweifelhaft aus, als läge es ihnen tatsächlich sehr ernsthaft am Herzen, dieses Spiel zu gewinnen. Und man sitzt so da vorm Fernseher und hat sich natürlich vorher ausgedacht, es wäre schön fies, wenn der nette Herr Bode in der 89. Minute das 1:0 für Bremen schießen würde. Denn jede Bayern-Niederlage ist eine gute Niederlage und die dramatischen sind die allerbesten - man hat ja als Gegner des FC Bayern ein ebenso schlichtes Gemüt wie als Anhänger.

Nun aber sitzt man so da und ertappt sich schon nach wenigen Minuten, bei jeder Chance mitzuleiden, die ein Elber, Jancker, Salihamidzic vergeben. Und eine anstrengende Stunde später begeistert Ja! auszurufen, als dann doch der erste Treffer fällt.

Und: sich an Stefan Effenberg zu freuen. Wie schön er das Tor vorbereitet hat. Und wie er sich dann gefreut hat, so völlig losgelassen, glücklich, befreit, dass er gar nicht wusste, wohin mit all seiner Energie. Und wie er später auf der Auswechselbank seinen Trainer im Arm gehalten hat und noch später einen Reporter, der ihm ein Kompliment machte. Und wie er seine Mannschaft in die Fankurve dirigierte. Richtig nett. Rührend.

Das wird's sein: Man sitzt so arglos vorm Fernseher und plötzlich schleicht sich hinterhältig die Gefühlsduselei an und man kann nichts dagegen tun. Dass es schon so weit gekommen ist, dass ein Stefan Effenberg das schafft, ist natürlich bedenklich. Denn wohin soll das führen, wenn die prachtvollsten Feindbilder keine mehr sind. Zu verschämtem Daumendrücken am Dienstag gegen Madrid?

Das darf man wirklich niemandem erzählen.