Kick It: Wann ist ein Trainer ein guter Trainer? - DER SPIEGEL
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Kick It Wann ist ein Trainer ein guter Trainer?

In Freiburg ist die Antwort einfach: Wenn er Volker Finke heißt. Der SC-Trainer verwöhnt die Badener mit immer wieder neuen Jahrgängen des schönen Spiels. Aber sonstwo?
Von Katrin Weber-Klüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Außer in Freiburg ist ein guter Trainer aber nur jener, der Erfolg in Form von Punkten abliefert. Da kann Ralf Zumdick von "Starfrisör" Gerhard Meir im "SZ"-Magazin noch so klar zum bestfrisierten Trainer der Liga gekürt werden, solcherlei Stilfragen bringen Bochum vom letzten Platz nicht weg.

Der beste Trainer dieser Tage ist daher der einst langmattige Ewald Lienen. Sein Rezept ist von raffinierter Schlichtheit: Er lässt (fast) die komplette Mannschaft der vergangenen Zweitligasaison ran. Ergebnis: Drei Siege in Serie, Platz sechs. Da meckert dann selbst in Köln keiner mehr, dass sich der Trainer schwer vertan hat mit all den teuren Neuzugängen, die nichtsnutzig auf der Tribüne hocken.

Erfolg hat immer recht. Weshalb Ottmar Hitzfeld die Gelassenheit der letzten Jahre verlassen hat. Gelassenheit ist, scheint's, ein Privileg derer, die gerade ohnehin keinen Grund haben sich aufzuregen. So wie das Bekenntnis, sich aus Geld nichts zu machen, exklusiv Millionären vorbehalten ist. Ob Ottmar Hitzfeld womöglich eine seriöse Krise im Trainerschaffen hat, ist allerdings schwer zu sagen. Denn es wird heutzutage gar nicht mehr trainiert.

Außer in Freiburg, das sich dafür aus dem internationalen Wettbewerb heraushält. Die Mannschaften, die das nicht tun, also noch immer die halbe Liga, quälen sich matt und jammernd von Spiel zu Spiel und ungefähr seit Mitte September lechzen die Trainer von Lautern bis München und von Leverkusen bis Hamburg nach der Winterpause. Das ist sehr traurig, denn es ist nun mal nicht Sinn der Sache, dass Spiele als Last und die Pause als einziges Ziel angesehen werden.

Aber wo es ist, wie es ist, ist der allerbeste Trainer wohl jener, der vorausschauend auf diesen kollektiven Einbruch der Konkurrenz hingearbeitet hat. Also: Huub Stevens. Schalke kann sich den Luxus altmodischer Trainingswochen leisten, kein Uefa-Cup-Einsatz in Wladiwostok und keine Champions-League-Zwischenrunde gegen Mannschaften, die keiner sehen will, stören seine Kreise.

Das Blöde ist: Der Trick braucht zwei bis drei Jahre Vorbereitung, während derer der Trainer für armseligen Fußball beschimpft wird, und die Quoten auf seine Entlassung ins nicht mehr Messbare sinken. Und noch schlimmer: Der Trick funktioniert nur einmal. Dann, bei Gelingen, wird man doch nur wieder wie all die anderen: Zermürbt im Monsterprogramm, immer schlechtere Spiele, immer schlechtere Stimmung und so geht das Elend seinen ewigen Gang. Außer in Freiburg, dem letzten Fußballparadies.