Kick It: Wir Rumpelfüßler - DER SPIEGEL
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Kick It Wir Rumpelfüßler

Bei der EM ausgeschieden, mit der WM-Ausrichtung beruhigt worden. Die Zeit des Herumrumpelns erst mal verdrängt. Und am Freitag, beim Bundesligastart - ach, so richtig schön ist es halt doch nur im Verein.
Von Katrin Weber-Klüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Rumpelfüßler. Hmm, eigentlich bedeutet das nichts. Aber damals im Juni, als Franz Beckenbauer der Welt dieses Wort schenkte, sagte es alles über den deutschen Fußball. Außerhalb von Deutschland hat Rumpelfüßler zwar kaum einer verstanden. Aber außerhalb von Deutschland musste sich zu jener Zeit auch niemand mehr für deutschen Fußball interessieren. Andersherum konnte einen der Anblick von Franzosen und Italienern und Portugiesen schnell in depressive Grübelei stürzen: Wie erschütternd würde es sein, im August wieder die Bundesliga vor Augen zu haben!

Und zwar nicht, weil die Nestas und Figos oder Dugarrys so hübsche Kerle sind. Sondern weil klar war, dass man so viel Fußballkunst hier nimmermehr erleben würde. Die aktuelle Weltrangliste der Fifa haut es uns gerade noch mal um die Ohren: Wir sind, zum allerersten Mal, nicht mal mehr unter den Top Ten.

Wir sind nicht nur Rumpelfüßler, sondern auch Hitzköpfe. Wir gehen nicht in uns, sondern machen viel Geschrei: Alles muss sofort und für immer anders werden. Dann kommt eine Task Force - tatütata. Früher mal war Task Force eine prima triste englische Fernsehserie, in der blasse Detectives in grauen englischen Straßen herumliefen. Vieles ist ja eine Frage der Ausstattung. Unsere Rettet-den-deutschen-Fußball-Task-Force jedenfalls ist super ausgestattet. Sie besteht aus lauter Managern, die haben schon eine bunte Zukunft entworfen. So bunt wie seinerzeit die Bewerbungsplakate für die WM 2006. Und das hat schließlich auch geklappt.

Sowieso haben wir Rumpelfüßler inzwischen zwar noch nicht ganz das Geheimnis des schönen Fußballs entschlüsselt, dafür aber längst unsere gute Stimmung wieder gefunden. Bayern München ist Spitzenreiter der Vereinsweltrangliste. Vielleicht erreichen vier Vereine die Champions League. Und vielleicht hauen wir auch am Mittwoch in Hannover die Spanier weg. Dann wüssten wir endgültig, dass allein Erich Ribbeck an allem Schuld war. Aber papperlapapp!

Damit brauchen wir uns gar nicht mehr zu belasten. Wir schauen nie zurück, nur nach vorn. Es wird bestimmt eine prima Saison. Und für die Bundesliga ist soviel sicher: Da wir unter uns sind, wird am Ende auch einer von uns gewinnen.