Klinsmann-Mobbing Beckenbauer mischt sich in Aufstellung ein
München - Beckenbauer warnte Klinsmann heute davor, sich in der Torhüterfrage für Jens Lehmann und gegen Oliver Kahn zu entscheiden. Beim WM-Eröffnungsspiel am 9. Juni in München gegen Costa Rica ohne Kahn zu spielen, könnte die deutschen Zuschauer gegen die Nationalmannschaft aufbringen, so Beckenbauer: "Ich bitte die sportliche Leitung, sich das gut zu überlegen."
Beckenbauer äußerte zugleich Unverständnis darüber, dass sich der Bundestrainer über mangelnde Unterstützung für die Nationalelf in der deutschen Öffentlichkeit beklagte. "Die Kritik wird sich bis zur WM noch 100-fach verstärken, wenn man sich jetzt schon darüber beschwert, dann gute Nacht", erklärte er.
Beckenbauer stellte Klinsmann für die Arbeit der vergangenen Monat ein schlechtes Zeugnis aus: "Am Anfang hat's ja auch sehr gut funktioniert. Er hat ja doch einiges in Bewegung gesetzt", sagte Beckenbauer. "Von dem Neuen ist nicht mehr viel übrig geblieben. Jetzt sind wir wieder da, wo wir vor ein paar Jahren waren. Und die Zeit läuft uns davon."
Im Hinblick auf die WM in knapp drei Monaten äußerte sich der Aufsichtsratsvorsitzende des FC Bayern besorgt: "Heute noch davon zu sprechen, dass wir eigentlich noch in der Entwicklung sind, ja, dann hab ich also kein gutes Gefühl", so Beckenbauer.
Klinsmann will ungeachtet der neuerlichen Attacken an seiner Arbeit eine Fortsetzung seiner Tätigkeit nach der Fußball-Weltmeisterschaft nicht ausschließen. Unabhängig vom Abschneiden bei der WM sei eine Vertragsverlängerung "natürlich weiterhin denkbar", sagte er dem "kicker". Nationalelfmanager Oliver Bierhoff wird dagegen noch vor der WM einen neuen Vertrag über 2006 hinaus unterschreiben. Das bestätigte DFB-Präsident Theo Zwanziger.
Klinsmann sieht trotz aller Kritik seine Autorität nicht untergraben. Die Situation mit Beckenbauer glaube er bereinigen zu können, sagte Klinsmann, ansonsten würden sich derzeit Leute zu Wort melden, "die mit dem Fußball nichts zu tun haben, und andere Wichtigtuer".
Der 40-Jährige signalisierte unterdessen, dass die Nationalelf vor der WM womöglich noch weitere Spiele absolvieren wird. "Wir überlegen, ob wir noch ein oder zwei Testspiele einbauen", erklärte Klinsmann. Nach Informationen des "kicker" ist angeblich im Gespräch, gegen andere Nationalmannschaften zu spielen - unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
mig/afp/rts/dpa/sid