Klinsmann zu Peters-Debatte: "Die Sache wird kaputtgeredet" - DER SPIEGEL
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Klinsmann zu Peters-Debatte "Die Sache wird kaputtgeredet"

Die Personalie kam durch eine Indiskretion ans Licht, nun muss Jürgen Klinsmann die Diskussion in der Öffentlichkeit führen. Im Interview beharrt der Bundestrainer auf Bernhard Peters als Technischer DFB-Direktor und spricht außerdem über Matthias Sammer und mögliche persönliche Konsequenzen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frage:

Herr Klinsmann, wie bewerten Sie die ganze Aufregung um Ihren Vorschlag, Bernhard Peters zum Technischen Direktor des DFB zu machen?

Jürgen Klinsmann: Es ist traurig, dass es überhaupt dazu gekommen ist, weil durch eine Indiskretion interne Informationen an die Öffentlichkeit gelangt sind. Es war geplant, unser Modell, das Oliver Bierhoff seit Monaten intensiv vorangetrieben hat, bei der turnusmäßigen Präsidiumssitzung vorzustellen. Diese Aufregung ist total unnötig. Man redet die ganze Sache schon kaputt, bevor eine sinnvolle Diskussion entsteht.

Frage: Im Moment fühlt sich jeder dazu berufen, die Angelegenheit zu kommentieren. Wie beurteilen Sie die Kritik an Ihrer Idee?

Klinsmann: Unsere Idee ist mit Theo Zwanziger, Horst R. Schmidt und Wolfgang Niersbach abgestimmt. Sie sind von der Idee sehr angetan. Ansonsten weiß keiner genau, um was es eigentlich geht, aber jeder meldet sich zu Wort. Dadurch entsteht eine Dynamik, die der Sache nicht dient.

Frage: Wie sieht die Arbeit eines Hockeytrainers beim DFB aus?

Klinsmann: Das Modell sieht vor, dass Bernhard Peters von einem Kompetenzteam, zu dem Oliver Bierhoff, Joachim Löw, Erich Rutemöller als Trainer-Chefausbilder, U21-Coach Dieter Eilts und ich gehören, geleitet wird. Von uns bekommt er die fußballerischen Leitlinien, die er umsetzen soll.

Frage: Wie sehen die Aufgaben konkret aus?

Klinsmann: Dazu gehören der Kontakt zu den Landesverbänden, zur Sportwissenschaft, zur Sportpsychologie. Er soll das Bindeglied zur Trainerausbildung sein, zu den U-Teams. Er soll die Trainingslehre von oben nach unten tragen, die Talentsichtung intensivieren. Es ist an ein Leistungszentrum wie in Frankreich gedacht und vieles mehr. Das ist ein sehr komplexer Aufgabenbereich und erfordert hohe Management- und Führungsqualitäten.

Frage: Sie glauben also nicht, dass der Technische Direktor den Fußball-Stallgeruch haben muss, wie DFB-Präsident Theo Zwaniger betont hatte?

Klinsmann: Es ist nicht nötig, ein Fußballer zu sein. Man muss strategisch denken, Konzepte entwickeln, in die Tiefe gehen. Da ist viel mehr Wissen über Management gefragt als über ein 4-4-2- oder 4-3-3-System. Es geht um die Entwicklung des Fußballs in Deutschland, da können wir von anderen Sportarten viel lernen.

Frage: Wenn Theo Zwanziger Ihre Vorstellungen kennt, warum bringt er dann eine Doppellösung mit Matthias Sammer ins Gespräch?

Klinsmann: Verbände wollen keinem wehtun. Aber wenn es zwei oder drei Kandidaten gibt, muss man dem ein oder anderen auch absagen. Ich bin kein Freund dieser Zwischenlösungen, ich habe eine andere Denkweise.

Frage: Das heißt, dass Sie mit einer Doppellösung nicht leben könnten?

Klinsmann: Ich möchte den Gesprächen am Mittwoch nicht vorgreifen und keinen weiteren Druck aufbauen. Aber ich habe eine klare Linie. Und unser Modell ist das mit Peters.

Frage: Möglicherweise sagt das DFB-Präsdium: Wenn wir Bernhard Peters unter Vertrag nehmen, brauchen wir aber auch die Gewissheit, dass Jürgen Klinsmann nach der WM weitermacht. Wie würden Sie darauf reagieren?

Klinsmann: Wir haben immer Wert darauf gelegt, dass es nicht um Köpfe, sondern um eine Philosophie im deutschen Fußball geht. Wenn man sagt, das ist unsere Philosophie, unsere Identität, müssen natürlich alle an einem Strang ziehen.

Frage: Sie bleiben also dabei, sich erst nach der WM entscheiden zu wollen?

Klinsmann: Ich werde an der WM gemessen. Erst wenn ich weiß, wie die WM gelaufen ist, werde ich mich mit meiner Frau hinsetzen und eine Entscheidung treffen. Das mache ich weiter abhängig vom Erfolg. Das ist auch dem Verband nur fair gegenüber. Ich brauche dieses Sicherheitsdenken nicht.

Frage: Was passiert, wenn die Entscheidung gegen Bernhard Peters ausfällt?

Klinsmann: Da wird nichts passieren. Ich werde keine persönlichen Konsequenzen ziehen. Was das Präsidium entscheidet, wird von uns akzeptiert. Wir haben nur ein Vorschlagsrecht. Aber ich fände es sehr, sehr schade, wenn unser Modell abgelehnt würde. Wir haben drei, vier Monate intensive Gespräche geführt und sind von unserem Konzept überzeugt.

Frage: Eine Entscheidung für Peters wäre eine Entscheidung gegen Sammer.

Klinsmann: Ich möchte nicht, dass an Matthias etwas hängen bleibt. Ich verstehe, dass er den Job haben will. Wir haben im Oktober unsere Ideen mit ihm diskutiert. Er weiß aber, dass Bernhard Peters unser Wunschkandidat ist. Das ist Tatsache.

Die Fragen stellte Thomas Niklaus, sid