Klose-Verletzung Nimmt Völler "Oldtimer" Max mit zur EM?
Bergisch-Gladbach - 66 Tage vor der Benennung seines 23-köpfigen EM-Kaders muss Rudi Völler noch einmal kräftig tüfteln. Die mangelnde Spielpraxis einiger Stammspieler und vor allem die schwere Verletzung seines Top-Torjägers Miroslav Klose haben die EM-Pläne des DFB-Teamchefs vor dem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft am Mittwoch in Köln gegen Belgien (20.30 Uhr/ARD) durcheinander gebracht.
"Man sieht, wie schnell es gehen kann", sagte der 43-Jährige am Montag nachdenklich und schloss plötzlich nicht einmal mehr aus, dass es beim letzten EM-Test des dreimaligen Welt- und Europameisters am 28. April in Bukarest gegen Rumänien, vor der Abreise ins Trainingslager in den Breisgau, noch einige personelle Überraschungen geben kann.
"Keiner darf sich sicher fühlen"
"Das Thema Personalplanung ist nicht beendet. Martin Max und auch Thomas Brdaric sind nach wie vor ein Thema. Wenn diese Stürmer in den nächsten Wochen weiter treffen, haben sie durchaus noch Chancen. Aber für Mittwoch macht meiner Meinung nach eine Nachnominierung keinen Sinn", sagte Völler und erhöhte gleichzeitig den Druck auf das Stammpersonal: "Von Woche zu Woche wird der Kreis enger. Keiner darf sich zu sicher fühlen."
Am Wochenende hatte Max, angesprochen auf die Nationalmannschaft, betont, dass dies für ihn eigentlich kein Thema mehr sei. "Wenn man als Torschützenkönig zweimal nicht bei einem Endturnier dabei war, sagt das eigentlich schon alles", gab sich der 35-Jährige diesbezüglich zurückhaltend, nicht ohne lächelnd hinzuzufügen: "Bei meinem Alter bin ich froh, wenn ich nach einem Spiel meine Knochen noch richtig sortieren kann." 16 Tore hat Max in dieser Saison bereits für Hansa Rostock erzielt, genau so viel wie die von Völler nominierte Offensivabteilung, bestehend aus Kevin Kuranyi (7 Tore), Fredi Bobic (4), Oliver Neuville (5) und Paul Freier (0). Max durfte bislang einmal in der Nationalmannschaft spielen.
Gegen Belgien hatte Völler den Einsatz von Klose fest eingeplant. Nach einer Kernspintomografie am Montagvormittag stand aber fest, dass der Lauterer wegen seiner im Bundesligaspiel am Sonntag beim Hamburger SV erlittenen Innenbandverletzung im rechten Knie mehrere Wochen ausfallen wird. Kloses EM-Teilnahme in Portugal (12. Juni bis 4. Juli) ist aber laut Völler nicht in Gefahr, der ohnehin bemüht war, gute Miene zum bösen Spiel zu machen: "Mir ist das jetzt lieber als in vier oder sechs Wochen, denn das könnte das EM-Aus bedeuten. Es hätte also noch schlimmer kommen können."
Der Teamchef kündigte nach dem Ausfall von Klose bereits an, dass der seit 724 Bundesliga-Minuten glücklose Stuttgarter Torjäger Kuranyi auf jeden Fall im Sturm spielen wird. "Ob ich eine klassische zweite Spitze bringe oder eine andere Variante probiere, überlege ich mir noch", sagte Völler, der möglicherweise Mittelfeldspieler Paul Freier als zweiten Angreifer aufbietet. "Er kann sowohl über links als auch über rechts für Gefahr sorgen", so Völler. Dass der Bochumer wegen seines am Sonntag erlittenen Mittelhandbruchs mit einer Spezialschiene auflaufen müsste, sei dabei kein Hindernis.
Völler plagen aber nicht nur im Angriff große Sorgen. "Mir sind das im Moment etwas zu viele Probleme. Wir sind im Moment bei einer Quote angelangt, die sehr hoch ist. Wenn fünf oder sechs Spieler, also fast ein Viertel der Nationalmannschaft nicht spielt, dann ist das nicht besonders gut", bangt der Teamchef angesichts der vielen Bankdrücker in seinem Aufgebot wie Jens Nowotny, Bobic oder Neuville.
Lehmann in bester Laune
Gutgelaunt ist dagegen Torhüter Jens Lehmann. Sein Wechsel im Sommer von Borussia Dortmund zum augenblicklichen Tabellenführer der englischen Premier League, Arsenal London, ist in sportlicher Hinsicht ein voller Erfolg gewesen. Gegen Belgien wird der 34-Jährige sein 17. Länderspiel im DFB-Trikot bestreiten.
Die Kontroverse mit seinem Dauerrivalen Kahn, der eine abgesprochene Auszeit erhält, sei für ihn kein Thema mehr. "Ich habe mit Völler in London alles besprochen und wir haben dabei alles ausgeräumt. Damit hat sich das Thema erledigt, für Völler und für mich", meinte Lehmann. In Rumänien wird es nach Angaben des Teamchefs aber dennoch den vereinbarten Dreiergipfel zwischen ihm, Lehmann und Kahn geben, um die letzten Unstimmigkeiten auszuräumen. Vorab will Lehmann aber zunächst mal sportlich überzeugen: "Ob das eine echte Chance für mich ist, darüber mache ich mir keine Gedanken. Das stört mich jetzt nicht so sehr."
Die voraussichtliche deutsche Aufstellung:
Lehmann - Friedrich, Wörns, Nowotny, Lahm - Hamann, Frings - Schneider, Ballack - Freier, Kuranyi.