Köln-Star Podolski: Trau dich, Lukas! - DER SPIEGEL
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Lukas Podolski: Der zweifelnde Prinz

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Köln-Star Podolski Trau dich, Lukas!

Der Kampf um den Star hat begonnen: Der 1. FC Köln will bald mit Lukas Podolski über einen neuen Vertrag verhandeln, längst buhlt der Club mit einem Wohlfühlpaket um seinen prominentesten Spieler. Doch der zögert. Ein neuer Kontrakt wäre ohnehin ein Fehler, für beide Seiten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seit Sonntag ist Balzzeit beim 1. FC Köln. Objekt der Begierde: Lukas Podolski, der seinen Vertrag verlängern soll. Mit einem Freundschaftsspiel beim FC Bergheim, dem Heimatverein des Nationalspielers, hat der Bundesligist das Werben um die Gunst des Angreifers eröffnet. Vor 3000 Zuschauern - im Sportpark, der nach dem 26-Jährigen benannt wurde - gewann der Favorit 7:1 (4:0). Podolski schoss zwei Tore. Anschließend sagte er: "Es war eine tolle und gut organisierte Veranstaltung, und ich freue mich, dass so viele Zuschauer zum Spiel gekommen sind."

Der Kölner Kampf um Podolski läuft, die Mittel sind bekannt. Am Montag verkündete Sportdirektor Volker Finke per Pressemitteilung, man möchte, dass "er sich hier auch weiterhin wohlfühlt." Im Winter wolle man dann auch in Sachen Vertragsverlängerung alle Möglichkeiten nutzen, um ihn beim 1. FC Köln zu halten.

Doch eine Vertragsverlängerung wäre ein Fehler, und zwar für beide Seiten. Der Spieler muss sich überlegen, ob er seiner Karriere nicht endlich noch einmal einen Schub geben will. Und Köln muss sich fragen, ob es sich einen Podolski künftig noch leisten kann - und leisten will.

Der Club hat Schulden, laut Präsident Wolfgang Overath etwa 25 Millionen Euro. Einnahmen aus internationalen Wettbewerben können die Verantwortlichen auch künftig nicht einplanen. Dafür spielt das Team viel zu unbeständig. Großverdiener Podolski, dessen Vertrag bis zum 30. Juni 2013 läuft, wird trotzdem mit dem "Rundum-Sorglos-Paket" geködert: Hier bist du zu Hause, hier gehörst du hin, hier geschieht dir nichts. Die Strategie ist verständlich, schließlich hat sie schon einmal funktioniert, damals, als Podolski beim Rekordmeister Bayern München scheiterte und nach drei Jahren ins heimatliche Köln zurückkehrte.

Köln auch mit Podolski nur Mittelmaß

Podolski ist dort nicht nur Fußballspieler, sondern Identifikationsfigur und Ikone. Köln ist Podolski, Podolski ist Köln. Eine derartige Konstellation gibt es in keinem anderen Bundesliga-Club. Der Stürmer ist der Star, der Rest des Teams verblasst. Seine Ausnahmestellung unterstreicht er derzeit durch eine starke Saison. Nach zwölf Spielen hat er bereits neun Tore erzielt und fünf Vorlagen gegeben.

Und trotzdem ist Köln auch mit dem schussgewaltigen Linksfuß allenfalls Mittelmaß in der Liga. Rang 13 und Rang 10, das sind die Ergebnisse der vergangenen beiden Saisons, Poldi-Jahre. Ohne ihn wurde der Club nach dem Wiederaufstieg 2008 12. Einen erkennbaren Fortschritt gibt es nicht.

Das scheint auch Podolski langsam begriffen zu haben. Am Wochenende sagte er: "Wenn eine Anfrage kommt, muss man auch eine Entscheidung treffen. Und dann wird man gucken, wohin der Weg führt." Das mag nur der Beginn des Vertragspokers sein, vielleicht ist es aber auch ein Zeichen der Reife. Im Sommer wird Podolski 27 Jahre alt, das gilt immer noch als bestes Fußballer-Alter. Seine Vereinserfolge sind bisher dennoch bescheiden. 2008 wurde er Meister und Pokalsieger beim FC Bayern. Entscheidenden Anteil daran hatte er nicht.

Deshalb hängt Podolski seit seiner Zeit in München der Makel an, sich bei einem Spitzenclub nicht durchsetzen zu können. Seine Rückkehr nach Köln im Jahr 2009 war auch eine Kapitulation. Bisher hat es Podolski nicht für nötig befunden, aus seiner Lage Konsequenzen zu ziehen. In Köln hat er keine Aussicht auf sportlichen Erfolg, er selbst steht dem im Weg. Unterschreibt er einen neuen Vertrag, dürfte dem Club das Geld für neue Spieler fehlen.

Inzwischen traut man ihm einen Wechsel zu. Bundestrainer Joachim Löw sagte: "Lukas ist wichtig für Köln. Aber er ist auch in der Lage, im Ausland zu bestehen. Im Gegenteil zu früher ist das heute vorstellbar." Vielleicht ist es die Situation in der Nationalmannschaft, die am Ende den Ausschlag gibt. In der DFB-Auswahl droht Podolski ausgerechnet vor der EM in der Ukraine und Polen seinen Platz zu verlieren. Konkurrent André Schürrle (Bayer Leverkusen) spielt Champions League. Podolski auch, aber derzeit nur auf der Playstation.