Kölns Comeback: "Die Anspannung ist groß" - DER SPIEGEL
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Kölns Comeback "Die Anspannung ist groß"

Gemeinsam mit Trainer Ewald Lienen hat Hannes Linßen, 50, den 1. FC Köln nach zwei Jahren Abstinenz zurück in die Bundesliga gebracht. Mit SPIEGEL ONLINE sprach der Sportdirektor vor dem Auftaktspiel am Sonntag bei Schalke 04.
Von Andreas Kötter
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Herr Linßen, sind Sie schon nervös, wenn Sie an das Spiel am Sonntag bei Schalke 04 denken?

Hannes Linßen: Zwei Jahre mussten wird darauf warten, wieder in der Bundesliga spielen zu können, da ist die Anspannung natürlich schon groß. Aber die Freude überwiegt ganz klar die Nervosität.

SPIEGEL ONLINE: Die Freude ist in Köln bereits schon wieder so groß, dass einige völlig hemmungslos von Uefa-Cup oder gar der Teilnahme an der Champions League sprechen.

Linßen: Dabei handelt es sich nur um vereinzelte Stimmen. Wenn ich beim Training zuschaue - wir haben immer zwischen 600 und 800 Zuschauer -, dann stelle ich fest, dass die Stimmung der Fans von Realismus geprägt ist. Man ist froh, dass wir endlich wieder dabei sind. Das Ziel aber kann auch ihrer Meinung nach nur lauten, dabei zu bleiben. Man hat begriffen, dass wir nicht per se in die Bundesliga gehören, sondern dass wir uns dieses Privileg auf dem Spielfeld erarbeiten müssen.

SPIEGEL ONLINE: Ewald Lienen und Sie bekräftigen diese demütige und bescheidene, völlig Köln untypische Haltung.

Linßen: Der Trainer lebt den Spieler dies vor. Das letzte Jahr hat gezeigt, dass wir erfolgreich waren, nicht etwa weil wir die besten Spieler, sondern weil wir die beste Mannschaft hatten. Rücksichtnahme auf den anderen, Respekt vor dem anderen und das Vermeiden von Neid haben diese mannschaftliche Geschlossenheit erst möglich gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Kapitän Dirk Lottner ist unlängst jedoch zitiert worden: "Die Spieler, die den Aufstieg geschafft haben, sollten eine Lobby haben im Vergleich zu den Neuen." Bröckelt da was?

Linßen: Ob er das tatsächlich gesagt hat, weiß ich nicht. Ich habe gesehen, dass man in der Vorbereitung aufeinander zugegangen ist, dass man miteinander gesprochen hat. Schon in den Vorgesprächen haben wir den Neuen klargemacht, dass der 1. FC Köln unbedingt Wert auf mannschaftliche Geschlossenheit legt. Am 2. Juli haben sich hier 27 Lizenzspieler eingefunden, von denen alle dieselbe Chance haben, am Sonntag auf Schalke zu spielen. Alte Verdienste interessieren im Profi-Fußball nicht, nur die Leistung zählt.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Trainer, Ewald Lienen, hat kürzlich darauf hingewiesen, dass das ergebnisorientierte Denken in Deutschland dazu geführt habe, dass man schnell zufrieden gewesen sei. An was misst sich der FC?

Linßen: Natürlich muss am Ende der Saison das Ergebnis stimmen, sprich wir müssen mindestens Fünfzehnter werden, um den Abstieg zu vermeiden. Sonst ist unser mittelfristiges Ziel, wieder fester Bestandteil der Bundesliga zu werden, nicht zu erreichen. Dennoch aber verfolgen wir eine andere Philosophie, als Aufsteiger das gemeinhin tun. Wir wollen mit technisch gutem Fußball zum Erfolg kommen, wir wollen attraktiv und offensiv spielen und gleichzeitig auch noch erfolgreich. Natürlich ist es für einen Aufsteiger einfacher, sich in die Defensive zurückzuziehen, das Spiel des Gegners zu zerstören und ihn dann auszukontern. Das aber ist nicht die Philosophie des Trainers; dementsprechend haben wir auch unseren Kader zusammengestellt, der überwiegend aus technisch guten Fußballern besteht.

SPIEGEL ONLINE: Kann Ihre junge, wenig bundesligaerfahrene Mannschaft dem Druck standhalten, der nach einer möglichen Niederlagenserie auf sie zukommen dürfte?

Linßen: Druck ist überall, nicht nur in Köln. Was glauben Sie wohl, was auf Schalke los ist, sollten wir dort am Sonntag gewinnen! Wir werden uns auf jedes Spiel sensationell gut vorbereiten und beschäftigen uns daher mit solch negativen Gedanken erst gar nicht. Wozu sollte das auch gut sein?

SPIEGEL ONLINE: Probleme gibt es für den 1. FC Köln, aber auch für Sie persönlich in der unmittelbaren Nachbarschaft. Am Transfer von Pascal Ojigwe zum Lokalrivalen Leverkusen hat sich ein unfeiner Streit entzündet, der darin gipfelte, dass Sie Ihren Kollegen Reiner Calmund einen "Proleten" schimpften. Haben Sie sich versöhnt?

Linßen: Nein, dafür sehe ich aber auch keine Veranlassung. Jeder hat seine Meinung kundgetan, damit ist das Thema für mich erledigt.

SPIEGEL ONLINE: Gute Nachbarschaft sieht anders aus...

Linßen: Wir sind sportliche Konkurrenten, und das ist gut so. Bayer Leverkusen ist uns zunächst enteilt, wir müssen nun alles daran setzen, diesen Vorsprung ein wenig zu verringern. Sollten wir die Klasse halten, dann sind wir denen wieder ein Stück näher gekommen. Schön wäre natürlich auch, wenn Bayer uns von oben ein Stückchen entgegen kommen und am Ende diesmal nicht wieder Zweiter werden würde.