Kokain-Prozess Daum erneut belastet
Koblenz - Von den Kokain-Ordern habe ihm Daums mutmaßlicher Dealer erzählt, sagte ein Freund dieses Mitangeklagten am Dienstag. Der mutmaßliche Kokainlieferant aus Köln sei öfters in die Niederlande gefahren, führte der 35-Jährige am neunten Verhandlungstag weiter aus. Vermutlich habe er im Nachbarland Drogen gekauft.
Wahrscheinlich aus dem gleichen Grund sei auch das Au-pair-Mädchen des mutmaßlichen Dealers in das Nachbarland gefahren, ergänzte der Zeuge. Die Ehefrau des 40-jährigen Mitangeklagten habe ihm überdies berichtet, zu Hause in einem Koffer Kokain und weitere Drogen in Pillenform gefunden zu haben.
Erstmals wurden in dem Verfahren auch Aufzeichnungen von abgehörten Telefonaten abgespielt. Daums angeblicher Kokainlieferant sagte in einem dieser Gespräche mit dem 35-Jährigen, ein Bekannter habe ihm mitgeteilt, er wolle Kontakt zu Daum bekommen. Dieser Bekannte ist ebenfalls als Zeuge geladen.
Uli Hoeneß als Zeuge geladen
Der Mitangeklagte sagte überdies in dem Telefonat, dieser Mann sei ein Zeuge des Bayern-Managers Uli Hoeneß. Der Münchner Fußball-Funktionär hatte die Daum-Affäre vor mehr als einem Jahr mit Andeutungen ins Rollen gebracht und ist nach Weihnachten laut Anklageschrift ebenfalls als Zeuge in dem Koblenzer Prozess geladen.
Nikolaus Schmitte, einer von fünf Daum-Rechtsanwälten, kritisierte, dass "sämtliche Zeugen" in der Hauptverhandlung weitaus weniger ausgesagt hätten als zuvor bei ihren polizeilichen Vernehmungen. Dennoch baue die Staatsanwaltschaft die Anklage auf diesen dubiosen Aussagen. Es stelle sich, so Schmitte, die Frage, wann "dieses unwürdige Spiel" beendet werden könne.
Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz
Die Anklage hält Daum neben dem unerlaubten Erwerb von jeweils drei bis fünf Gramm Kokain in 63 Fällen vor, die Beschaffung von 100 Gramm Kokain in Auftrag gegeben zu haben. Der 48-Jährige war im vergangenen Jahr nach dem Nachweis des Drogenmissbrauchs als Trainer des Bundesligisten Bayer Leverkusen entlassen worden und ist derzeit beim türkischen Spitzenclub Besiktas Istanbul tätig.
Neben Daum und seinem mutmaßlichen Dealer sitzt noch ein 55 Jahre alter Gastronom aus dem rheinland-pfälzischen Ahrbrück auf der Anklagebank. Auch ihm wirft die Anklage Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vor. Das bis 26. Februar kommenden Jahres terminierte Verfahren wird am 21. Dezember mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt.