Kokain-Prozess Daum wieder schwer belastet
Koblenz - Der Zeuge sagte am siebten Verhandlungstag aus, der mitangeklagte mutmaßliche Dealer habe ihm im September des vergangenen Jahres verraten, wiederholt zwei bis drei Gramm Kokain aus den Niederlanden für Daum und einen Arzt besorgt zu haben. Bereits in den ersten Sitzungen hatten Polizeibeamte über Kokainlieferungen an den Fußballtrainer ausgesagt.
Der Zeuge behauptete am Dienstag zudem, dass auch Daums Lebensgefährtin Angelika Camm Kokain geordert habe. Nicht sicher war sich der wegen Betruges vorbestrafte Zeuge jedoch, ob der 40-jährige Mitangeklagte auch von größeren Mengen der Droge gesprochen habe. Möglicherweise sei auch von 10 bis 20 Gramm Kokain die Rede gewesen, die mehrmals überbracht worden seien.
Auch die Aussagen des Zeugen über zusätzliche Kokainlieferungen an den Inhaber eines Kölner Hotels, in dem Daum vorübergehend gewohnt hatte, blieben in Teilen ungenau. Über dieses Thema könne der Mitangeklagte, der in dem Hotel als Haustechniker beschäftigt war, mit ihm geredet haben, sagte der Zeuge. Es habe geheißen, in dem Etablissement gehe mit Drogen "die Post ab".
"Sie winden sich hier wie ein Aal"
Staatsanwalt Ludger Griesar reagierte ungehalten auf die mitunter unpräzisen Aussagen des Mannes, den das Gericht als ersten Zeugen überhaupt vereidigen ließ. "Sie winden sich hier wie ein Aal", warf der Ankläger dem 47-Jährigen vor, der sich in mehreren Fällen nicht genau an seine früheren Aussagen bei der Polizei erinnern konnte. Daum-Anwalt Nikolaus Schmitte fehlte jegliches Verständnis: "Was sich hier abspielt, ist einfach unvorstellbar."
Laut des Zeugen hatte der Mitangeklagte ihm auch erklärt, er könne Daums Urlaubsdomizil auf Mallorca kostenlos benutzen und besitze sogar einen eigenen Schlüssel. Außerdem habe er von dem Fußballcoach Eintrittskarten für Fußballspiele sowie Hemden bekommen. Der Mitangeklagte arbeitete nach Aussage des Zeugen lediglich halbtags, habe aber schon mal 16.000 bis 20.000 Mark bar in der Tasche gehabt und "flog vier Mal pro Jahr in den Urlaub".
Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz
Die Anklage hält Daum neben dem unerlaubten Erwerb von jeweils drei bis fünf Gramm Kokain in 63 Fällen vor, die Beschaffung von 100 Gramm Kokain in Auftrag gegeben zu haben. Der 48-Jährige war im vergangenen Jahr nach dem Nachweis des Drogenmissbrauchs als Trainer des Bundesligisten Bayer Leverkusen entlassen worden und ist derzeit beim türkischen Spitzenclub Besiktas Istanbul tätig.
Neben Daum und seinem mutmaßlichen Dealer sitzt noch ein 55 Jahre alter Gastronom aus dem rheinland-pfälzischen Ahrbrück auf der Anklagebank. Auch ihm wirft die Anklage Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vor. Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.