Kommentar: Bigotterie Fußball - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kommentar Bigotterie Fußball

Warum der europäische Vereinsfußball am Dienstagabend eine der größten Niederlage seiner Geschichte erlitten hat.
Von Thomas Lötz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Natürlich kann man sich über die Entscheidung des europäischen Fußballverbandes Uefa, die für den Dienstag angesetzten Spiele im europäischen Vereinsfußball trotz der Terroranschläge in der USA austragen zu lassen, endlos erregen. Ungleich schlimmer jedoch als die zu oft schon offenbar gewordene Dummheit der Verbandsfunktionäre ist die Schamlosigkeit der Vereinsvertreter.

Von einer "Frage der Ethik" hat etwa Borussia Dortmunds Präsident Gerd Niebaum bedeutungsvoll gesprochen und der Uefa vorgeworfen, sie nehme den Fußball zu wichtig. Vor der Konsequenz aber, seine Mannschaft in Kiew angesichts der Ereignisse in den USA einfach nicht antreten zu lassen, scheute Niebaum wie übrigens auch seine Kollegen aus Freiburg, Schalke und dem Rest Europas zurück.

Was könnte die Vereinsverantwortlichen schließlich doch dazu bewegt haben, von ihrer Mannschaft den Dienst am Ball zu fordern statt sie einfach vom Feld zu nehmen? Furcht vor Punktabzug, Ausschluss aus dem Wettbewerb oder am Ende gar die Angst vor finanziellen Einbußen?

Es steht uns nicht an, an dieser Stelle allzu moralisch mit Profifußballvereinen umzuspringen; schließlich leben auch wir von deren Tun und Sein. Wir möchten aber bestimmt darauf hinweisen, dass uns die bequeme Lösung Doppelmoral - gerade auch als Fußballfans - anwidert. Am Dienstagabend hätte das Millionenbusiness Fußball ein kleines bisschen Respekt zurückgewinnen können, stattdessen ist es ein gehöriges Stück mehr gestorben.