Kommentar Daums Abstieg
Es klang wie ein altes Trainerritual. "Für mich ist die Sache abgeschlossen", erklärte Daum vor versammelter Presse. "Mist" habe er gebaut - Schwamm drüber. Neues Spiel, neues Glück, der nächste Gegner ist der schwerste, wollte er in die Öffentlichkeit transportieren. So mutig der Schritt auch ist, Drogenkonsum ist keine Bundesligabegegnung.
Daum hat in der Affäre viele Freunde und Kollegen, die zu ihm gehalten haben, vor den Kopf gestoßen. Zum Beispiel Bayer-Manager Reiner Calmund oder DFB-Vize Gerhard Mayer-Vorfelder. Er verleugnete seinen Drogenkonsum, beschimpfte Kritiker, führte die Öffentlichkeit mit dubiosen Haarproben via "Bild" an der Nase herum und stellte Verschwörungstheorien auf. War das reine Taktik und Ausflucht oder doch der für Kokainsucht symptomatische Realitätsverlust?
Für den Traumjob Bundestrainer sei er bereit gewesen, einiges zu riskieren, gestand Daum. Und dass er über die plötzlich aufflammende Affäre die Kontrolle verloren habe. Das glaubt man ihm gern. Doch hat sich an der Lage wirklich irgendetwas verändert?
Es mag sein, dass Daum der Ansicht ist, er habe für sich "einen Schlussstrich ziehen können". Es ist ihm zu wünschen. Schlimm wäre, wenn er sich irrt. Der hoch gelobte Fachmann würde dann nicht nur beruflich, sondern auch als Person endgültig absteigen.