Kommentar Eine einmalige Chance
Aufatmen in ganz Deutschland. Nicht nur in der DFB-Zentrale war mit dem Zuschlag der WM 2006 die Erleichterung zu spüren, nachdem Sepp Blatter den versiegelten Umschlag aufriss und feierlich die Worte verkündete: "and the winner is...Deutschland!"
Klar dürfen sich die Funktionäre aus der Otto-Fleck-Schneise dank der ausgezeichneten PR-Arbeit von Franz Beckenbauer nun auf die Schultern klopfen. Die Austragung der Weltmeisterschaft wird umgehend von den augenblicklichen Problemen in Deutschlands Vorzeigemannschaft ablenken. Vielleicht liegt den deutschen Fußballfunktionären die Organisation der Weltmeisterschaft sowieso eher als eine Umstrukturierung ihres eigenen Apparates. Denn die ist ja vehement gefordert worden, nach dem blamablen Ausscheiden bei der Euro 2000 und dem allgemeinen Siechtum der Nationalmannschaft seit 1994 (Ausnahme die EM 1996).
Doch nicht nur beim DFB durfte durchgeatmet werden. Auch in Unterföhring waren Jubelschreie zu vernehmen. Die Kirch-Gruppe hat als Fernsehrechteinhaber der WM 2002 und 2006 ohnehin schon genügend zu zittern, ob denn Rudi Völler und seine Jungs die Qualifikation für das Turnier in zwei Jahren schaffen. Mit der Garantie, wenigstens im Jahre 2006 dabei zu sein, dürfte sich die Investition von 3,4 Milliarden Mark für den Mediengiganten auf jeden Fall auszahlen.
Ob sich der Schub nun auch auf die Männer auf dem grünen Rasen auswirken wird, muss sich zeigen. Mit der Gewissheit, sich für 2006 nicht qualifizieren zu müssen, könnte man sich in Frankfurt eigentlich in aller Ruhe und nach französischem Vorbild um einen Neuaufbau bemühen. Frankreich war ja weder bei den Weltmeisterschaften 1990 und 1994 dabei, wurde 1998 im eigenen Land Weltmeister und stellt heute eine Übermacht auf dem Kontinent dar. Diese einmalige Chance sollte sich der deutsche Fußball nicht entgehen lassen.