Kommentar: Kahns Recht zu schweigen - DER SPIEGEL
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Kommentar Kahns Recht zu schweigen

Warum Oliver Kahn nach der Bayern-Niederlage in Rostock und seinem Platzverweis auf persönlicher Meinungsfreiheit bestanden hat.
Von Thomas Lötz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Am Samstag so gegen 17.15 Uhr hat Oliver Kahn im Strafraum von Hansa Rostock den Ball mit den Fäusten ins Tor geboxt. Daraufhin ist er zum dritten Mal in seiner Bundesliga-Karriere des Feldes verwiesen worden und: hat geschwiegen. Angeblich, so sein Mannschaftskollege Carsten Jancker, blieb "Olli" sogar in der Kabine stumm: "Er hat keine Erklärung abgegeben."

Warum der 31-Jährige am späten Samstagnachmittag beschlossen hat, seinen Furcht einflößenden Kiefer nach Fragen zum Spiel nicht mehr zu bewegen, darüber kann natürlich nur spekuliert werden. Die primitive Variante dürfte jedoch die stimmigste sein.

Ehrgeizig und erfolgsbesessen

Wenn über Kahn geredet wird, fallen zuerst immer die Attribute "ehrgeizig" und "erfolgsbesessen". Der Mann will nicht nur nicht verlieren, er will die deutsche Meisterschaft, die Champions League gewinnen und am liebsten gleich auch noch Welt- und Europameister werden.

Also steht er am Samstag in Rostock in seinem Kasten rum, kassiert drei Tore und fragt sich das ganze Spiel über, wer hier eigentlich die Gurkentruppe und wer der kommende deutsche Meister sein soll. Dann kassiert er wegen Ballwegschlagens eine Gelbe Karte und am Ende noch den dummen Platzverweis.

Warum, warum, warum?

Natürlich wollen alle nachher wissen, warum Oliver Kahn sich zu dieser tölpelhaften Aktion hat hinreißen lassen. Warum er offenbar wieder einmal die Fassung, um die er zuletzt so bemüht war, verloren hat. Warum er überhaupt den gegnerischen 16-Meter-Raum betreten hat. Warum er den Ball mit den Händen statt dem Kopf gespielt hat.

Warum? Oliver Kahn hatte am Samstag noch weniger Lust als sonst, solche Fragen zu beantworten. Er hatte einfach einen Scheißtag hinter sich.

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