Kommentar: Merci, dass es Rudi gibt - DER SPIEGEL
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Kommentar Merci, dass es Rudi gibt

Warum man froh sein muss, dass der verantwortliche Mann der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Rudi Völler heißt.
Von Thomas Lötz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit seiner klaren Entscheidung trotz hoher Fehlerquote und daraus resultierender Kritik auch künftig an der Abwehrformation Dreierkette festzuhalten, hat Rudi Völler Bemerkenswertes geleistet.

Dabei spielt fast weniger eine Rolle, dass der DFB-Teamchef dem prähistorischen Spiel mit Libero eine deutliche Absage erteilt hat. Völler ist entschlossen - ohne, dass er dies jemals öffentlich zugegeben hätte oder würde -, der offenbar genetisch bedingten Manie des deutschen Verhinderungs- und Ergebnisfußballs ein Ende bereiten.

Wie in allen besseren - und auch fast allen anderen - Fußballnationen dieser Welt setzt er als Grundlage nicht auf Einzelspieler, sondern auf das taktische System, in das sich jeder Spieler seinen individuellen Fähigkeiten gemäß einzubringen hat. Und: Völler lässt offensiv spielen. Unter seinen Vorgängern Berti Vogts und Erich Ribbeck war das schlichtweg nicht vorstellbar. Zu sehr dominierte in beiden die Angst vor der Niederlage, die sie letztlich und zu Recht auch ihre Posten kostete.

Von seinen Spieler wird Völler als "Respektsperson" (Lars Ricken) geschätzt. Verletzte Eitelkeiten, wie die des formschwachen Angreifers Oliver Bierhoff oder des überdimensional kritisierten Jens Nowotny, werden offen und öffentlich angesprochen, anstatt von den Spielern über befreundete Medienmenschen nach außen getragen zu werden.

Was unter dem Teamchef Völler anders sei, wurde Carsten Jancker gefragt. "Es werden klare Ansagen gemacht", sagte der Stürmer, "jeder weiß, was passiert." Und das Schöne ist, dass daran nicht mal eine Niederlage in Albanien etwas ändern wird.

Merci, Rudi, dass es dich gibt.