Kommentar Ribbecks Auftrag - "Mission Impossible"
Sicher ist: Das Aus der deutschen Nationalelf bei der Euro ist bitter für alle Beteiligten. Sicher ist auch: Es war kein unvorhersehbares Ereignis. Schon gar nicht für die Fans! Gestern ab 22:35 Uhr baten wir sie, uns via "Kicker online" ihre Meinung zu dem Debakel gegen das portugiesische Team und die damit verbundene Heimreise des Ribbeck-Teams mitzuteilen. Das Ergebnis: Mehr als vierhundert Zuschriften binnen weniger Stunden. Der Tenor: Es konnte gar nicht anders kommen!
Tatsache ist: Nach dem Viertelfinal-Aus bei der WM in Frankreich 1998 (0:3 gegen Kroatien) blieb die erforderliche Kurskorrektur - weg von zementierten Verbandstrukturen und hin zu einem kreativen Neuanfang - aus. Dem quasi "Zufalls-Teamchef" Erich Ribbeck gelang es zwar, mit der erreichten EM-Qualifikation den ersten Teil seines Auftrags zu erfüllen. Der zweite Teil, mindestens den Einzug ins Viertelfinale (ganz zu schweigen von einer erfolgreichen Titelverteidigung) zu schaffen, glich aber einer "Mission Impossible".
Tatsache ist: Die herausragenden Spielerpersönlichkeiten früherer Tage, wie zum Beispiel Beckenbauer, Netzer, Klinsmann, Sammer oder auch Matthäus in Topform gibt es derzeit nicht. Die Mannschaft hat im Prinzip das gebracht, was sie draufhat - und das ist eben nicht mehr!
Allerdings: Mit einem klaren personellen und taktischen Konzept hätte der soeben zurückgetretene Erich Ribbeck selbst aus den eher mittelmäßigen Spielern eine schlagkräftigere Einheit formen können. Nie hat sich eine feste Formation eingespielt, viel zu oft wurde das Personal gewechselt: Beispiele: Häßler gegen Rumänien als Spielmacher, dann weg vom Fenster. Plötzlich sollte Scholl der Regisseur sein. Auf der rechten Außenbahn spielte erst Babbel, dann Deisler, im Angriff wurden alle Variationen durchgespielt. Erfolg bekannt!
Jetzt muss der Blick nach vorne gehen. Das heißt: Der DFB ist gefordert, endlich wegweisende Entscheidungen zu fällen. Zunächst muss ein Trainer gefunden werden, ein anerkannter Fachmann mit einem klaren Konzept. Ob Christoph Daum in Personalunion Coach von Bayer Leverkusen und dem Nationalteam werden kann, muss abgewartet werden. Ohne Zweifel birgt diese Konstellation auch Probleme. Was passiert, wenn er in einem Mittwoch-Spiel fünf Bayern-Profis und nur zwei Leverkusener einsetzt - und drei Tage später haben beide ein wichtiges Spiel? Oder er lässt fünf Bayer-Schützlinge und nur zwei Bayern spielen. Ärger ist programmiert.
Schwere Tage für den DFB, denn das Spielerpotenzial aus der zweiten Reihe, die jungen Talente, verspricht kurzfristig wenig Steigerung. Aber jetzt müssen die Weichen für die Zukunft gestellt werden, keine Frage darf tabu sein - auch wenn der Zug erst in etlichen Jahren vielleicht wieder die Haltestelle WM- oder EM-Titel erreicht ...
Übrigens: Schöne Grüße nach England (und das ist nicht hämisch gemeint): Geteiltes Leid ist halbes Leid!