Krawalle in Leipzig Geld soll Sachsens Hooligan-Problem lösen
Leipzig - Nach den schweren Krawallen in Leipzig und der Absage eines kompletten Fußball-Spieltages in Sachsen haben die Krisenmanager heute ein Zeichen gesetzt. Künftig sollen die Fanprojekte mehr Geld bekommen. Der Präsident des Sächsischen Fußball-Verbandes, Klaus Reichenbach, gab heute bekannt, dass die Finanzierung an sechs Standorten im Land nun sichergestellt sei. Dies sei das Resultat eines Gespräches zwischen dem DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und der sächsischen Landesregierung, die zuvor eine finanzielle Beteiligung abgelehnt hatte.
Fanbetreuer begrüßen diese Entscheidung, warnen aber davor, die finanzielle Stützung als Generallösung zu betrachten: "Wir sind aber keine Feuerlöscher. Leider wird erst gehandelt, wenn die Flammen bereits lodern. Es muss vielmehr verhindert werden, dass es zu brennen beginnt", sagte der Leiter des Dresdner Fan-Projekts, Torsten Rudolph.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Fanprojekte forderte, dass der Dialog zwischen Verbänden, Vereinen und Fans aufrechterhalten und intensiviert werden müsse, um der Gewalt in den Stadien zu begegnen. Dafür sei eine bessere finanzielle Absicherung vieler Fanprojekte unerlässlich, sagte ihr Sprecher Ralf Busch der dpa. "Im Augenblick ist der Fußball - also DFL und DFB - der verlässlichste Partner." Oft fehle es hingegen an der Co-Finanzierung vor allem durch die Länder.
Auch der Dachverband der Fanprojekte warnt vor Euphorie: "Wir können mit Projekten kurzfristig keine Gewalt verhindern, sondern nur eine friedliche Fan-Kultur fördern. Es braucht ohnehin viel Zeit, um die Atmosphäre zu verbessern", erklärte der Leiter der Koordinationsstelle Fan-Projekte (KOS), Michael Gabriel. Die in Frankfurt ansässige KOS betreut bundesweit 33 Projekte. Gabriel warnte davor, mit zu heftigen Repressionen des Staates auf Krawalle zu antworten. Italien sei dafür ein abschreckendes Beispiel.
Probleme mit der Bildauswertung
Die Polizei hat im Zuge ihrer Ermittlungen einen weiteren Tatverdächtigen vernommen. Das bestätigte die Leipziger Polizeisprecherin Silvaine Reiche dem sid. Nähere Angaben will die Polizei vorerst nicht veröffentlichen. Die von Leipzigs Polizeipräsident Rolf Müller angekündigte Veröffentlichung erster Fahndungsbilder am Donnerstag, ist indes unwahrscheinlich. "Wir haben Probleme mit der Bildauswertung. Die Aufnahmen der Beamten sind sehr schlecht", sagte Reiche. Abhilfe sollen nun Aufnahmen des MDR schaffen, die die Polizei heute erhalten hat.
Bis Fahndungsbilder veröffentlicht werden können, werden noch einige Tage vergehen. Sobald die Polizei ihre Arbeit abgeschlossen hat, werden die Akten der Staatsanwaltschaft übergeben. Anschließend muss ein Richter eine Öffentlichkeitsfahndung veranlassen.
Das Justizministerium regte derweil eine bessere Dokumentation der Ereignisse seitens der Polizei an. "Wenn mehr Kameras eingesetzt werden, kann der Staatsanwalt das Geschehen besser verfolgen und somit besser agieren", sagte Ministeriumssprecher Martin Marx. Einen Sportstaatsanwalt im Stadion hält Marx auch in unteren Ligen bei entsprechenden Begegnungen für sinnvoll. Jedoch kann die Justiz nur auf Bitten der Polizei handeln. "Bislang haben wir aber noch kein Signal bekommen", sagte Marx.
Am Abend hat eine Leipziger Sicherheitskonferenz mit Vertretern der Stadt, der Polizei und des Sechstligisten 1. FC Lok Leipzig auf die schweren Ausschreitungen mit einem Maßnahmenpaket reagiert. Demnach verpflichtete sich der Lok-Vorstand, der Polizei alle ihm bekannten Gewalttäter zu nennen. Gegen diese sollen konsequent Stadionverbote verhängt werden, die auch bei rassistischen und fremdenfeindlichen Handlungen stärker greifen. Bei Punktspielen der ersten Mannschaft wird ein Alkoholverbot angeordnet, das Ordnungspersonal soll auf Zuverlässigkeit getestet werden.
Das Gewaltpotenzial der Fans soll mit besserer Jugend- und Fanbetreuung eingedämmt werden. "Es wird hier auch in Zukunft null Toleranz gegenüber Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt im Leipziger Sport und speziell im Fußball geben. Alle Anwesenden verurteilen die Vorkommnisse vom Wochenende auf das Allerschärfste", sagte Heiko Rosenthal, Bürgermeister für Umwelt, Ordnung und Sport der Stadt Leipzig.
mig/dpa/sid