Krawalle: Weiter Randale in Den Bosch - DER SPIEGEL
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Krawalle Weiter Randale in Den Bosch

Die Krawalle in Den Bosch halten an. Die dritte Nacht in Folge randalieren Fans aus dem Umfeld des niederländischen Fußball-Zweitligisten.
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Den Bosch - Auslöser der Krawalle in der Provinzhauptstadt von Nord-Brabant ist der Tod des polizeibekannten Hooligans Pierre Bouleij vom vergangenen Sonnabend. Der 31-Jährige war von einem Polizisten erschossen worden, als er sich mit einem Messer gegen seine Festnahme zur Wehr gesetzt haben soll.

Wie schon an den Abenden zuvor legten Randalierer Brände in einem Wohngebiet zwischen Stadtzentrum und Fußballstadion, errichteten Barrikaden, plünderten und beschädigten Büro- und Verwaltungsgebäude, darunter den nahezu fertiggestellten Neubau einer Schule.

"Mörder"-Rufe, Steine und Molotow-Cocktails

Die örtlichen und aus Nachbarstädten zur Verstärkung herbeigeholten Polizeikräfte wurden mit "Mörder"-Rufen, Steinen, Feuerwerkskörpern und Molotow-Cocktails eingedeckt. Die Schäden werden auf inzwischen mehrere Millionen Mark geschätzt. Der über Lautsprecher verbreitete Appell der Bouleij-Witwe, die Ausschreitungen zu beenden, verhallte weitgehend ungehört.

Nach Darstellung der Sicherheitskräfte, die sich im verwinkelten Stadtviertel zunächst zurückgehalten, später aber Wasserwerfer eingesetzt hatten, haben sich unter den rund 300 vermummten Randalierern zahlreiche Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren befunden. Ein Großteil der Krawallmacher hätte außerdem erkennbar unter Drogeneinfluss gestanden. Die Behörden machten allerdings keine Angaben über die Anzahl und das Alter der verhafteten Personen.

Für die plötzlichen Ausschreitungen hat die Polizei keine schlüssige Erklärung. "Eine solche spontane Gewalt habe ich hier noch nie erlebt", erklärte Polizeichef van Hoorn. Der offizielle Fanclub des Zweitligisten FC Den Bosch wies jede Verbindung zu den Gewalttätern zurück.

Auch Bürgermeister Ton Rombouts betonte, dass die Ausschreitungen nichts mit Fußball zu tun hätten. Dennoch hatte das Stadtoberhaupt das für vergangenen Samstagabend geplante Zweitligaspiel Den Bosch gegen Venlo abgesagt. "Wir müssen überlegen, wie wir uns bei neuerlichen Konflikten verhalten", sagte Rombouts. Es wird befürchtet, dass die Krawalle bis einschließlich zu Bouleijs Beerdigung am Freitag andauern werden. Sie bleibe gerüstet, falls es neue Gewaltausbrüche geben sollte, erklärte die Polizei.

Notwehr oder Totschlag?

Über die Umstände des tödlichen Schusses auf Pierre Bouleij gibt es unterschiedliche Angaben. Bouleij sei umgekommen, weil er sich in seinem Haus nach einem gewöhnlichen Nachbarschaftsstreit der Festnahme widersetzt habe, erklärte die Polizei. Der ursprünglich zur Schlichtung herbeigerufene Beamte habe in Notwehr gehandelt, da er von dem 31-Jährigen mit einem langen Messer bedroht worden sei.

Die Hinterbliebenen bestreiten diese Darstellung und haben gegen den verantwortlichen Polizisten Anzeige wegen Totschlags erstattet. Der mit dem Fall betraute Rechtsanwalt der Familie Bouleij erklärte, der Ordnungshüter habe durch eine Tür geschossen und dabei auch andere Personen gefährdet.