Kritik an Amtsführung Klinsmann räumt Fehler ein
Hamburg - "Im Nachhinein weiß man immer alles besser. Jetzt würde ich sagen, dass ich nach dem China-Länderspiel doch lieber einige Tage in Deutschland hätte bleiben sollen, um die Lage zu beruhigen", sagte Klinsmann der "B.Z.". Der Bundestrainer war nach dem stark kritisierten 1:0-Sieg in Hamburg nach Kalifornien zurückgeflogen, wo er mit seiner Familie lebt. "Das Ausmaß der Diskussion hat mich sehr überrascht. Aber da es nichts mit unseren Länderspielen zu tun hat, also keine sachliche Kritik war, geht es an mir vorbei", betonte Klinsmann.
Größter Kritikpunkt war zuletzt Klinsmanns Hauptwohnsitz in den USA. Der 41-Jährige kündigte bereits an, dass er kommendes Jahr vor der WM (9. Juni bis 9. Juli) öfter in Deutschland sein werde. Laut einem "Kicker"-Bericht wollen führende Bundesliga-Manager aber Klinsmann dazu bewegen, ab 1. Januar 2006 samt Familie komplett nach Deutschland umzusiedeln. Dies hatte der frühere Nationalspieler wiederholt ausgeschlossen.
Auch Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hält das Ansinnen der Ligafunktionäre für unrealistisch: "Dies kann keiner fordern. Wichtig ist nur, dass Jürgen effektiv arbeitet." Bierhoff geht nach den Diskussionen der vergangenen Tage mit klaren Vorstellungen in den Meinungsaustausch mit den Verantwortlichen der Bundesliga am 25. Oktober in Frankfurt am Main. Klinsmann wird zu dem Meeting, das um um 11.30 Uhr beginnen soll, aus Kalifornien einfliegen.
"Es müssen alle Sachen auf den Tisch und es muss alles ausgeräumt werden. Es nützt nichts, wenn man sich nur anlacht und die Probleme schön geredet werden. Es muss Tacheles geredet werden, das ist ganz wichtig", sagte Bierhoff. Klinsmann hofft nach dem Treffen auf eine gemeinsame Linie mit der Liga. Denn eines sei acht Monate vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land klar. "Die Nationalmannschaft kann nur gemeinsam mit der Liga eine Top-WM spielen", so Klinsmann.
Neben dem Wahl-Amerikaner und Bierhoff werden von DFB-Seite Assistenzcoach Joachim Löw, Torwarttrainer Andreas Köpke sowie Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder bei dem Treffen dabei sein. Als Repräsentanten der Liga haben DFL-Boss Werner Hackmann, Vizepräsident Wolfgang Holzhäuser und Vorstandsmitglied Karl-Heinz Rummenigge, die bei der Sitzung anwesend sein werden, führende Manager und Sportdirektoren eingeladen. So werden unter anderem Klaus Allofs (Bremen), Rudi Assauer (Schalke) und Uli Hoeneß (FC Bayern) nach Frankfurt kommen.