Kritik an Unparteiischen Schiedsrichter im aktiven Abseits
Schiedsrichter Sippel: "Habt ihr schon die Hosen voll?"
Foto: Bernd Thissen/ dpaHamburg - Platzverweis nach Notbremse, passives Abseits: Für eine Schiedsrichter-Debatte sind diese Entscheidungen immer gut. Am Wochenende war es in der Fußball-Bundesliga wieder so weit. Diesmal fühlten sich Hannover 96 und der 1. FC Kaiserslautern von den Unparteiischen benachteiligt. Schiedsrichter Peter Sippel sorgte bei der Partie der Lauterer auf Schalke zudem noch für einen verbalen Aufreger.
So soll Sippel die Gäste vor dem Anpfiff mit dem Spruch: "Kommt raus! Oder habt ihr schon die Hosen voll?" aufgefordert haben, die Umkleidekabine zu verlassen. Der 42-Jährige spricht später gegenüber der "Bild"-Zeitung von "einigen flapsigen Bemerkungen", die gefallen seien: "An den Hose-voll-Satz kann ich mich aber nicht erinnern."
Lauterns Rodnei und Schalkes Schlussmann Ralf Fährmann dürften die Partie dagegen länger im Gedächtnis behalten. Beide wurden bei dem 2:1-Gäste-Erfolg von Sippel vom Platz gestellt, weil sie im eigenen Strafraum durch Fouls eine klare Einschusschance verhinderten. Elfmeter gab es obendrein. Was die Diskussion über einen Feldverweis nach Notbremsen im eigenen Sechzehner wieder befeuert hat.
Zwei vermeintlich reguläre Tore aberkannt
Selbst Sippel regte anschließend an, es sollte in solchen Fällen doch ausreichen, "einen Elfmeter und eine Gelbe Karte zu geben". Schließlich sei das betroffene Team durch die Elfmeter-Entscheidung schon genug gestraft. "Alle Schiedsrichter sind da einer Meinung, fordern das schon seit Jahren", so Sippel.
Dies müsste allerdings durch eine Regeländerung des Fußball-Weltverbands Fifa beschlossen werden. Das gegenwärtige Regelwerk gibt eindeutig Auskunft, dass ein Notbremsen-Foul, egal wo es begangen wird, die Rote Karte nach sich zu ziehen habe.
Für Diskussionsbedarf am Wochenende sorgten auch mehrere Abseits-Entscheidungen. Zweimal wurden Teams vermeintlich reguläre Treffer annulliert, weil die Torleute durch Gegenspieler irritiert worden seien, auch wenn diese nicht aktiv ins Geschehen eingriffen. Das Mainzer Führungstor gegen Augsburg durch Nicolai Müller zählte ebenso wenig wie der Ausgleich von Hannover 96 beim 1. FC Köln durch Sérgio Pinto.
Im Hannoveraner Lager rief die Entscheidung von Referee Jochen Drees die üblichen Reflexe eines Verlierers hervor: 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke sprach von "klaren Fehlentscheidungen", der Schiedsrichter habe das Spiel "massiv beeinflusst". Tatsächlich liegt es im Ermessen des Schiedsrichters, inwiefern er das Stellungsspiel eines im Abseits stehenden Angreifers als aktives Eingreifen wertet oder nicht. Bei Pintos Schuss stand 96-Stürmer Didier Ya Konan allerdings schon sehr weit vom Geschehen entfernt, um es noch als aktive Handlung zu interpretieren. Verständnis für die Wut der Hannoveraner gab es selbst von Kölns Keeper Michael Rensing: "Ich habe mich schon während des Spiels gefragt, warum pfeift der das?"
Auch Dortmunds Angreifer Robert Lewandowski befand sich beim Erfolg des BVB bei Werder Bremen in Abseitsposition, er stand zentral vor Werder-Torwart Mielitz, als Dortmunds Patrick Owomoyela aus dem Hinterhalt zum Torschuss ansetzte. Somit verstellte Lewandowski dem Torwart die Sicht und hätte demnach aktiv eingegriffen. Niemand hätte es Schiedsrichter Florian Meyer übelgenommen, wenn er die Aktion abgepfiffen hätte.
Meyer gab das Tor. Dortmund gewann 2:0. Alles Ermessenssache.