Kuriose Cup-Spiele: Und jährlich grüßt das DFB-Pokaltier - DER SPIEGEL
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Kuriose Cup-Spiele Und jährlich grüßt das DFB-Pokaltier

Rot-Weiß Essen und Energie Cottbus befinden sich in der Zeitschleife. Im dritten Jahr nacheinander treffen beide Teams in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals aufeinander. Dabei handelt es sich um eine Kuriosität mit historischem Vorbild von der Insel.
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Für Jürgen Langermann ist die Sache ziemlich einfach. Der Busfahrer von Energie Cottbus muss sein Navigationsgerät nicht lange programmieren. Genau genommen braucht Langermann gar kein Navigationsgerät. Denn er und sein Gefährt kennen die 617 Kilometer lange Strecke von der heimischen Lausitz bis zur Essener Hafenstraße nur zu genau.

Zwar gab es auch in diesem Jahr wieder die Hoffnung auf ein wenig Spannung, auf etwas Neues, auf eine Abweichung von der Routine. Wie die Sympathisanten der übrigen 62 Vereine, die sich für den DFB-Pokal 2007/08 qualifiziert hatten, hockten auch die Spieler, Funktionäre und Fans von Rot-Weiss Essen und Energie Cottbus Ende Juni vor dem Fernseher. Assistiert von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer fischte Nationaltorhüterin Silke Rottenberg für die erste Hauptrunde etliche attraktive Partien aus den Lostöpfen: 1.FC Magdeburg gegen Borussia Dortmund oder Eintracht Braunschweig gegen Werder Bremen zum Beispiel oder prestigeträchtige Derbys wie 1.FC Gera gegen Carl Zeiss Jena oder Holstein Kiel gegen den Hamburger SV.

Am Ende wurde in Essen und Cottbus die Auslosung wahlweise mit gelangweiltem Gähnen, ungläubigem Kopfschütteln oder irrem Gelächter kommentiert. Begriffe wie "Losfee", "Glücksgöttin Fortuna" oder "Zufallsprinzip" mag man hier nicht mehr hören. Die Beteiligten müssen sich fühlen wie Hollywood-Schauspieler Bill Murray. Der war 1993 in der Komödie "Und täglich grüßt das Murmeltier" als TV-Wetterfrosch Phil Connors in die Zeitfalle geraten und musste im amerikanischen Provinznest Punxsutawney ein und denselben Tag immer wieder aufs Neue erleben. Ähnlich ergeht es jetzt RWE und Energie Cottbus: Ihre Begegnung scheint in der ersten Hauptrunde offenbar gesetzt zu sein. Am Samstag treffen die Mannschaften bereits im dritten Jahr in Folge aufeinander (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Bei aller Wiederholung waren Konstellation und Resultat dieses Evergreens allerdings stets unterschiedlich. Vor zwei Jahren scheiterte Essen als Regionalligist am Zweitligisten Cottbus erst im Elfmeterschießen, im Vorjahr schlug Zweitligist RWE dann Erstligist Energie 1:0. Jetzt kommt es zum Vergleich zwischen Regionalliga und Bundesliga. Dennoch: Der lupenreine Erstrunden-Hattrick ist ein echtes Novum in der deutschen Pokalgeschichte.

Umso erstaunlicher, dass es für diesen "Murmeltierpokaltag" ein historisches Vorbild gibt. Fündig wird man – natürlich – im selbsternannten Mutterland des Fußballs. Ziemlich genau 50 Jahre ist es her, dass sich Leeds United im falschen Film wähnte. 1956 empfing das Team um Stopper-Legende Jackie Charlton in der dritten Runde des traditionsreichen FA-Cups die Waliser von Cardiff City an der heimischen Elland Road. City siegte 2:1. Eigentlich nichts Besonderes, hätte nicht das Pokal-Los auch in den beiden Folgejahren die Partie Leeds gegen Cardiff beschert. Es war jeweils die dritte Runde, jeweils genoss United Heimrecht und jeweils gewann am Ende der Gast aus Wales, noch dazu mit immer demselben Resultat von 2:1 Toren! Das ganze britische Königreich amüsierte sich damals über diese spektakuläre Serie.

Der Fluch schien überwunden, als sich Leeds 1964, 1972 und 1975 im Cup gegen Cardiff durchsetzten konnte. Am 6. Januar 2002 trafen die Teams jedoch erneut aufeinander. Dieses Mal im Ninian Park in der walisischen Hauptstadt. City kickte in der 3. Liga. United hingegen spielte die größte Saison seiner Vereinsgeschichte, mischte mit Spielern wie Lee Bowyer, Robbie Keane, David Batty, Mark Viduka oder Rio Ferdinand die Premier League auf und kam bis ins Champions-League-Halbfinale. Doch auch der FA-Cup hat seine eigenen Gesetze. Es war wieder diese verflixte dritte Runde. Die Bluebirds aus Cardiff siegten. Das Resultat? 2:1! Das Murmeltier war zurück und eine der größten Pokalsensationen der letzten Jahre perfekt.

Wunderbar, wie Cardiff-Fan Paul Davis den Triumph über die "pampered, perfumed Premiership butts" aus Leeds umschrieb: "Cardiff 2, Leeds United 1 – hol ganz tief Luft, gieß Dir einen kühlen Drink ein und lies das Ergebnis noch einmal. Reib Dir die Augen, kneif Dich selbst, boxe in die Luft und lies es noch einmal. Öffne die Haustür, schrei es die Straße hinunter, ruf Deine Kumpels an und dann ... lächle einfach nur noch."

Zurück nach Deutschland: Ganz gleich, wie das Pokalduell ausgehen wird, Gelegenheit zur Revanche gibt es in dieser Saison gleich zwei Mal. Am 20. Oktober und 3. Mai stehen sich Rot-Weiss Essen und die Zweitvertretung von Energie Cottbus in der Regionalliga Nord im Kampf um Meisterschaftspunkte gegenüber. Und sollte sich RWE über den Verbandspokal oder als Zweitliga-Aufsteiger erneut für den DFB-Pokal qualifizieren, gäbe es im August 2008 an der Hafenstraße natürlich wieder ein Erstrundenduell. Das wäre dann vermutlich wirklich Weltrekord.

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