Kurzpässe: "Italien - eine Schande" - DER SPIEGEL
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Kurzpässe "Italien - eine Schande"

Ende einer Ära? Die italienische Presse hat das Nationalteam nach dem Aus im Confed-Cup in der Luft zerrissen. Gianluigi Buffon hält den Weltmeister für nicht konkurrenzfähig. Inter Mailand kann sich den Verkauf seines besten Spielers vorstellen. In Südafrika droht ein Streik der Minenarbeiter.
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Hamburg - Trainer Marcello Lippi zeigte Nerven, Stürmer Luca Toni sprach von einem "Desaster", und der sonst so stolze Kapitän Fabio Cannavaro schlich mit hängendem Kopf aus dem Loftus Versfeld Stadion von Pretoria: Weltmeister Italien beklagt nach dem blamablen Aus beim Confederations Cup in Südafrika das Ende einer Ära. "Alt und geschlagen: Die Helden sind K.o. - das traurige Ende des Märchens von Berlin. Ein Jahr vor der WM muss die Nationalelf erneuert werden", kommentierte die Zeitung "La Repubblica" das 0:3 (0:3) gegen Titelverteidiger Brasilien. "Wir sind im Moment nicht konkurrenzfähig, so wie unsere Liga", sagte Torwart Buffon.

Italien-Kapitän Cannavaro (r.), jubelnde Brasilianer: "Das war zu hässlich"

Italien-Kapitän Cannavaro (r.), jubelnde Brasilianer: "Das war zu hässlich"

Foto: Mike Hutchings/ REUTERS

"Italien - eine Schande!", titelte "Corriere dello Sport". "Italienische Finsternis. Wir waren Mumien, und wir bleiben Mumien" schrieb die "Gazzetta dello Sport" in Anspielung auf die Pleite zuvor gegen Ägypten. Verbandspräsident Giancarlo Abete macht sich für die WM jedoch "keine Sorgen": "Das war zu hässlich, wir sind verdientermaßen ausgeschieden. Man sollte aber jetzt nicht mit den Weltmeistern abrechnen, sie sind nicht zu alt. Das Problem war, dass sie nicht in Form waren."

Mit grimmiger Miene erschien Lippi am Sonntagabend bei der Pressekonferenz. Warum er nicht mehr junge Spieler bringe und den Generationswechsel beim vierfachen Weltmeister vorantreibe? "Junge Spieler, junge Spieler!", blaffte er die Journalisten an. "Ich weiß nicht, wovon Sie reden. Giuseppe Rossi (Jungstar von Villareal; die Red.) war bei allen drei Spielen dabei. Ich kann doch nicht alle ins kalte Wasser werfen."

Selbstkritischer gab sich der ebenfalls hart kritisierte Mittelstürmer Toni: "Wir sind ausgeschieden, weil wir nicht fit waren. Der Confed-Cup muss uns eine Lehre sein. Wir sind nicht mehr das Italien der Weltmeisterschaft. Wir müssen arbeiten, um wieder auf so ein Niveau zu gelangen", so der Bayern-Profi. Die "Gazzetta" schrieb über ihn: "Toni ist nur noch ein Gespenst des einstigen Mittelstürmers."

Inter Mailand schließt einen Weggang von Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic und Verteidiger Maicon nicht mehr aus. "Die Chancen, dass Ibrahimovic und Maicon bleiben, stehen bei 50 Prozent", sagte Inter-Präsident Massimo Moratti. Als Fan wolle er beide behalten, ein Blick in die Bilanzen zwinge ihn aber zu einer anderen Sicht, erklärte der Ölmagnat. Der italienische Fußballmeister kalkuliert nach Angaben der "La Gazzetta dello Sport" bei einem Verkauf der beiden Stars mit einer Gesamteinnahme von 110 bis 120 Millionen Euro.

Außerdem würde der Traditionsclub bei einem Verkauf des auf einen Wert von rund 70 Millionen Euro taxierten Schweden Ibrahimovic viele Millionen Euro pro Jahr an Spielergehalt sparen. Mit einem Netto-Jahressalär von derzeit 13 Millionen Euro ist der Stürmer der bestbezahlte Fußballer der Welt. Bis zum Ende seiner Vertragszeit soll sein Gehalt nach Angaben der "Gazzetta" jährlich um eine Million auf dann 17 Millionen Euro netto im Jahr 2013 steigen. Insgesamt muss Inter für Ibrahimovic so innerhalb von fünf Jahren inklusive Steuern und Abgaben rund 150 Millionen ausgeben.

Innenverteidiger Juan steht der brasilianischen Nationalmannschaft für den Rest des Confed Cup in Südafrika nicht mehr zur Verfügung. Der Abwehrspieler vom AS Rom zog sich beim Sieg gegen Italien eine Verletzung im linken Oberschenkel zu. "Die Zeit reicht nicht. Eine Woche ist für die Heilung zu wenig", sagte der Ex-Leverkusener.

Gruppe B

Paarung Ergebnis
Brasilien - Ägypten 4:3
USA - Italien 1:3
USA - Brasilien 0:3
Ägypten - Italien 1:0
Italien - Brasilien 0:3
Ägypten - USA 0:3
TABELLE Sp. / To. / Pu.
1. Brasilien 3 / 10:3 / 9
2. USA 3 / 4:6 / 3
3. Italien 3 / 3:5 / 3
4. Ägypten 3 / 4:7 / 3

Die Brasilianer treffen am Donnerstag im Halbfinale auf Gastgeber Südafrika und am Sonntag stehen die Spiele um den Turniersieg und den dritten Platz an. Nationaltrainer Dunga hat im Kader in Luisão (Benfica Lissabon) und Miranda (FC São Paulo) noch zwei gelernte Innenverteidiger als Partner für den Münchner Lucio zur Verfügung.

Ein Jahr vor der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika könnte der Zeitplan für den Bau der letzten fünf WM-Stadien durcheinander geraten. Die Gewerkschaft der Minenarbeiter (Num), von deren Mitgliedern rund 50.000 an den WM-Arenen und dem neuen Nahverkehrssystem "Gautrain" arbeiten, drohte mit Streik. In einer ersten Verhandlungsrunde war es zu keinem Ergebnis gekommen.

Gruppe A

Paarung Ergebnis
Südafrika - Irak 0:0
Neuseeland - Spanien 0:5
Spanien - Irak 1:0
Südafrika - Neuseeland 2:0
Spanien - Südafrika 2:0
Irak - Neuseeland 0:0
TABELLE Sp. / To. / Pu.
1. Spanien 3 / 8:0 / 9
2. Südafrika 3 / 2:2 / 4
3. Irak 3 / 0:1 / 2
4. Neuseeland 3 / 0:7 / 1

Num fordert 15 Prozent mehr Lohn, die Arbeitgeber erhöhten ihr Angebot lediglich von 7,5 auf 8,5 Prozent. "Wir werden an unseren Forderungen festhalten", sagte Gewerkschaftssprecher Lesiba Seshoka der Tageszeitung "The Citizen": "Wenn unsere Forderungen nicht erfüllt werden, werden wir Arbeitskampfmaßnahmen ergreifen." Schon in der Vergangenheit hatten Streiks die Arbeiten an mehreren WM-Stadien verzögert. Lediglich das Prunkstück, das 94.700 Zuschauer fassende Soccer City in der Nähe von Johannesburg, blieb bislang von Arbeitsniederlegungen verschont.

goe/sid/dpa

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