Länderspiel-Pressestimmen: "Ein Quell der Freude" - DER SPIEGEL
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Länderspiel-Pressestimmen "Ein Quell der Freude"

Ein mühsames 2:0 gegen Georgien wäre unter Joachim Löws Vorgängern sicher mit Spott bedacht worden. Doch diesmal saugt die deutsche Presse erstaunlich viel Optimismus aus dem Test. Sorgen machen sich die Zeitungen über Lukas Podolski. SPIEGEL ONLINE und indirekter-freistoss.de blicken in den Blätterwald.
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Philipp Selldorf (SZ) stellt, den Vergleich mit anderen Ländern im Sinn, die Nationalmannschaft als Aushängeschild des deutschen Fußballs hin: "Dass Liga- und sonstige Quervergleiche in die Irre und die Nationalteams ein Eigenleben führen, sieht man nicht nur am Beispiel Spanien, sondern auch an der EM-Kampagne von Italien, Frankreich, England – und an Deutschland. Dort beklagte man zuletzt hohe Verluste im Uefa-Cup und graust sich, weil Rumäniens Liga im Begriff ist, internationale Startplätze streitig zu machen. Aber Joachim Löws Nationalelf siegt und siegt und präsentiert sich als der am besten funktionierende Betrieb des deutschen Fußballs."

Andreas Lesch (Berliner Zeitung) staunt, wie schnell Löw Kredit gewonnen zu haben scheint: "Als während der Weltmeisterschaft über mögliche Nachfolger von Jürgen Klinsmann diskutiert wurde und der Name von Joachim Löw fiel, hieß die Frage: Kann der das? Ist der Job des Bundestrainers für den nicht eine Nummer zu groß? Nach den ersten vier Länderspielen, die Löw zu verantworten hat, wirken diese Fragen wie eine längst vergangene Absurdität. Löws Leistung spiegelt sich nicht nur in den Statistiken, die ihm einen historischen Wert bescheinigen: den besten Auftakt aller deutschen Bundestrainer und Teamchefs. Sie zeigt sich in vielen Facetten seiner Arbeit. Er führt das Werk von Klinsmann fort, aber er ist mehr als ein braver Erbverwalter. Er verwandelt Freundschaftsspiele in einen Quell der Freude."

Sieger Trochowski, Verlierer Podolski

Peter Heß (FAZ) zollt Löw dafür Respekt, dass er vier Neuen die Chance zum Einsatz gibt: "Es gab Zeiten, da wäre dem Bundestrainer ein solcher Personalplan als Ausdruck seiner Sehnsucht nach einem neuen Arbeitsplatz ausgelegt worden, als verklausuliertes Kündigungsersuchen. Nach der Ära Klinsmann und dem glücklichen Beginn der Zeitrechnung Löw wird dieser Mut fast schon als Selbstverständlichkeit hingenommen. Der Mut, konsequent die Zukunft zu planen und nicht nur dem nächsten Ergebnis hinterher zu hecheln. Man erinnere sich an die Zeiten, als die Teamchefs Ribbeck und Völler hießen. Damals wurde der Sinn der Testspiele generell in Frage gestellt, weil die in der Liga gestressten Nationalspieler sich den Schongang auferlegten, sobald es nicht um Punkte ging. Ein Nutzen, eine Entwicklung des Spiels und der Spieler waren kaum einmal zu entdecken. Heutzutage reut es niemanden mehr, den Fernseher einzuschalten, wenn die Nationalhymne erklingt. Löw hat es verstanden, die von Klinsmann geweckte Begeisterung der Profis für das Nationalteam am Leben zu erhalten." Heß gibt aber auch zu bedenken: "Die Frage wird sein, ob der Nachfolger die Zähigkeit und das Format besitzt, seine Vorstellungen durchzusetzen, wenn ihm das Spielglück einmal nicht mehr zur Seite steht. Die Begegnung mit Georgien hätte anders enden können."

In der Einzelkritik gibt es Gewinner und Verlierer: Dem Debütanten Piotr Trochowski bescheinigt die Sonntags-FAZ: "Entdeckung des Spiels. Mittelfeldspieler mit Esprit und Dynamik. Gleichermaßen starke Szenen in Offensive wie Defensive. Blick für die Situation. Harmonierte auf Anhieb mit Ballack." Thomas Hitzlsperger hingegen bekommt von derselben Zeitung zu lesen: "Langsam im Denken, langsam im Handeln. Blockierte mit seinen ungenauen Alibi-Pässen eher das deutsche Spiel, als dass er es förderte." Die FR fügt an: "Hitzlsperger verteidigte in einer Position, die seine übersichtlichen Stärken vollends verdeckt." Michael Ballack wird von der FAZ geadelt: "Das Zentralorgan des deutschen Fußballkollektivs. Wirkte spritziger und fitter als bei der WM. Präsent in jeder Region des Spielfeldes."

"Serie von Enttäuschungen"

Im Blickpunkt sind auch Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski, die bekanntermaßen in einem Atemzug genannt werden. Doch ihre Verfassung könnte unterschiedlicher kaum sein. Stefan Hermanns (Tagesspiegel) vergleicht den Rotsünder mit dem Torschützen: "Podolski und Schweinsteiger sind gleichzeitig – kurz vor der Europameisterschaft 2004 – in die Nationalmannschaft berufen worden, sie haben anschließend beide unter dem EM-Blues gelitten, sie haben annähernd gleich viele Länderspiele gehäuft, waren im Sommer 2005 die großen Entdeckungen des Confed-Cups und hatten danach erneut Schwierigkeiten, sich an den Liga-Alltag zu gewöhnen. Nach der Weltmeisterschaft scheint nun zumindest Schweinsteiger die Post-Turnier-Depression erspart zu bleiben. Lukas Podolski aber fällt zurzeit wenig leicht." Die Bild am Sonntag bringt es auf den Punkt: "Schweini saustark, Poldi saudumm!"

Michael Ashelm (FAZ) drückt seine Sorge über Podolski aus: "Bei seinem neuen Arbeitgeber in München vermeintlich vernachlässigt, unglücklich in der Rolle des Reservisten, verunsichert in der Nationalelf – eine Serie von Enttäuschungen, die eine belastende Wirkung auf die atemberaubend steile Karriere Podolskis haben könnten. Die Verantwortlichen in der Nationalmannschaft versuchen, den Fall unaufgeregt zu behandeln. Sie sprechen von einer Affekthandlung. Doch auch sie erkennen, dass der Nationalstürmer zwischen eigenem Ehrgeiz, den Erwartungen des professionellen Umfelds und dem Anspruch der Fußball-Öffentlichkeit nicht zur erwünschten Stabilität findet."