Lauterer Steuerskandal Ex-Boss Friedrich geht es an den Kragen
Kaiserslautern - Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken hat gegen die früheren FCK-Funktionäre Jürgen "Atze" Friedrich und Gerhard Herzog ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue und Steuerhinterziehung eingeleitet. Der Leitende Oberstaatsanwalt Eberhard Bayer bestätigte am Mittwochabend, dass seine Behörde auf Grund einer Anzeige eines Lauterer Vereinsmitglieds von Anfang November tätig geworden ist.
In der Ära des Ex-Präsidenten Friedrich sollen Steuern in zweistelliger Millionenhöhe am Finanzamt vorbei geschleust worden sein. Dabei geht es vor allem um verdeckte Gehaltszahlungen an die ehemaligen FCK-Profis Taribo West und Youri Djorkaeff. Kaiserslauterns Oberbürgermeister Bernhard Deubig hatte bereits im Umfeld der FCK-Jahreshauptversammlung Anfang November enthüllt, dass der FCK für den Erwerb von Wests Persönlichkeitsrechten rund 2,3 Millionen Euro an eine Mailänder Agentur gezahlt habe. Bei Djorkaeff sollen Zahlungen in die Schweiz transferiert worden sein.
Der ins Visier der Justiz geratene Friedrich, der von den Vereinsmitgliedern nicht im Amt entlastet worden war, gibt sich trotz der Vorwürfe gelassen. "Alles, was wir gemacht haben, ist sowohl wirtschaftlich als auch rechtlich zu vertreten. Wir haben immer ordnungsgemäß gehandelt", sagte der frühere FCK-Boss. Möglicherweise werden die Ermittlungen auch auf West und Djorkaeff ausgedehnt. "Ich kann diese Namen nicht dementieren", sagte Oberstaatsanwalt Bayer.
Neue FCK-Führung rechnet mit Nachzahlungen
Finanzbehörden gehen bei Geschäften, wie sie in den Fällen West und Djorkaeff getätigt worden sein sollen, von strafbaren Gehaltszahlungen aus. Der ehemalige Frankfurter Stürmer Anthony Yeboah und der damalige Eintracht-Vizepräsident Bernd Hölzenbein wurden in einem vergleichbaren Fall verurteilt. Ex-Nationalspieler Hölzenbein erhielt damals sieben Monate auf Bewährung, Yeboah eine hohe Geldstrafe.
Der neue Lauterer Vorstand unter Führung von René C. Jäggi rechnet damit, dass es Nachzahlungsforderungen des Finanzamtes geben könnte. Die FCK-Führung hatte einen Untersuchungsbericht der Saarbrücker Wirtschaftsprüfer "PwC Deutsche Revision" zur Bewertung lohnsteuerlicher Fragen in der Amtszeit Friedrichs an das Finanzamt weitergeleitet. FCK-Pressesprecher Michael Novak dementierte allerdings, dass es sich dabei um eine Selbstanzeige handele.
Landesregierung verweigert weitere Unterstützung
In den Finanzskandal hat sich inzwischen auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) eingeschaltet. "Sollte sich die Faktenlage so darstellen, dass die Erteilung der Lizenz auf Basis unrichtiger oder unvollständiger Angaben erfolgt ist, wird dies zwangsläufig Konsequenzen nach sich ziehen müssen", sagte DFL-Geschäftsführer Wilfried Straub, der den FCK aufgefordert hat, der DFL den "PwC"-Bericht zukommen zu lassen.
Der amtierende FCK-Chef Jäggi verhandelt seit Wochen mit den Banken und dem Land. Doch die Landesregierung ist nicht bereit, dem Bundesligisten noch einmal finanziell unter die Arme zu greifen. "Wir haben uns wirklich sehr stark engagiert, das war auch nötig im Hinblick auf die WM 2006. Aber jetzt ist Schluss damit", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck.