Leipzigs Sieg gegen Hertha: Der Charme der Dosenkavaliere - DER SPIEGEL
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Leipzigs Sieg gegen Berlin Der Charme der Dosenkavaliere

Es war eine Machtdemonstration: Gegen Hertha BSC hat RB Leipzig bewiesen, dass es mehr als nur Überfall-Fußball zu bieten hat. Auch taktische Kniffe halfen Berlin nicht. Alles Wichtige zum Spiel.
Jubelnde Leipziger
Jubelnde Leipziger

Jubelnde Leipziger

Foto: ROBERT MICHAEL/ AFP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Ausgangslage: Der Rekord-Aufsteiger aus Leipzig hatte in der Vorwoche beim Kellerkind Ingolstadt seine erste Saisonniederlage hinnehmen müssen. Auch die Hertha hatte ein Negativerlebnis zu verdauen, nachdem sie gegen Werder das erste Heimspiel nach zuvor sechs Siegen im Olympiastadion in Serie verloren hatte. Im Duell des Zweiten gegen den Vierten galt es nun für beide Seiten, wieder einen Erfolg einzufahren.

Ergebnis: 2:0 (1:0) . Leipzig siegte überlegen, baut die positive Heimbilanz (jetzt sechs Siege, ein Remis, keine Niederlage) weiter aus - und springt zwischenzeitlich wieder an die Tabellenspitze der Bundesliga.

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Leipzigs Erfolg gegen Berlin: Ruhe, bitte!

Foto: Michael Sohn/ AP

Aufstellungen
Leipzig: Gulácsi - Bernardo, Ilsanker, Orban, Halstenberg (67. Schmitz) - Keita (46. Kaiser), Demme - Sabitzer, Forsberg - Poulsen, Timo Werner (84. Selke)
Berlin: Jarstein - Lustenberger, Niklas Stark, Hegeler - Weiser (11. Pekarík), Plattenhardt - Allan - Haraguchi (79. Esswein), Kalou (46. Darida) - Ibisevic, Schieber

Duell der "Emporkömmlinge": In seiner Debütsaison mit den Profis rettete Pál Dárdai die Hertha 2014/2015 nur knapp vor dem Abstieg, nun scheint sich Berlin im oberen Drittel der Liga etabliert zu haben. RB hat einen noch steileren Aufstieg hinter sich: 2012/2013 spielte Leipzig noch in der Regionalliga Nordost gegen Herthas Zweitvertretung, vier Jahre später mischen sie die Konkurrenz drei Ligen höher auf. Als Lohn für die positiven Entwicklungen kamen beide Teams in den Genuss einer internationalen Live-Übertragung im Radio  - das sollte doch in Zeiten, in denen die Vokabel "Internationalisierung" existenzieller Bestandteil aller Bundesligamanager zu sein scheint, Herzrasen bei den Marketingchefs von RB und Hertha hervorrufen, oder nicht?

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Die erste Hälfte: Wurde komplett von den Hausherren dominiert. Bezeichnend: Erst in der 30. Minute gab es die erste Ballaktion eines Herthaners im gegnerischen Strafraum zu vermelden. Leipzig kontrollierte das Geschehen klar (73% Ballbesitz), erspielte sich zahlreiche Gelegenheiten (Sabitzer 7. und 20. Minute, Keita 25., Forsberg 26.), belohnte sich mit dem Führungstor von Werner jedoch erst kurz vor der Halbzeit (41.).

Die zweite Hälfte: An der Rollenverteilung änderte sich nichts. Berlin überließ RB weitestgehend den Ball, Leipzig ließ ihn geduldig in den eigenen Reihen zirkulieren, bis sich eine Lücke ergab und vertikal gespielt wurde. Entlastung schaffte Berlin nur selten, ein kapitaler Aussetzer der Defensive ermöglichte das vorentscheidende 2:0: Willi Orban konnte vollkommen unbedrängt eine Forsberg-Ecke aus sieben Metern einköpfen (62.). In der Schlussphase scheiterte Yussuf Poulsen noch mit einer Volleyabnahme aus zehn Metern an Hertha-Keeper Rune Jarstein (79.).

Kampf der Systeme: Angesichts der geballten Pressingpower von RB hatte Dárdai angekündigt mit "einer anderen Methode" anzutreten. Was hatte Dárdai ausgeheckt? Berlin gab das Mittelfeld weitestgehend auf, um nicht in Gefahr zu geraten, nach eigenen Ballverlusten Umschaltaktionen gegen sich heraufzubeschwören. Am Ende wies die Statistik für Berlin einen Anteil langer Bälle von 27 Prozent aus. Doch die Hertha konnte sich weniger hohe und zweite Bälle sichern als erhofft. Gegen den Ball versuchte sie den eigenen Sechzehner mit zwei tiefen Viererketten abzuriegeln - um keinen Raum im Rücken für Konter zu lassen. Auch dies gelang ihr nur mit mäßigem Erfolg. In 90 Minuten musste Leipzigs Schlussman Péter Gulásci nicht einmal eingreifen, keiner der drei Berliner Torschüsse fand den Weg auf Leipzigs Kasten.

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Erkenntnis des Spiels: Leipzig ist mehr als nur eine reine Kontermannschaft. Gegen Berlin stellte die RB-Elf eindrucksvoll unter Beweis, auch im eigenen Ballbesitz viel Charmantes mit dem Spielgerät anfangen zu können. Auch wenn das schon längst kein Geheimtipp mehr ist: In dieser Form wird der Aufsteiger aus Sachsen sich für das internationale Geschäft qualifizieren - mindestens für die Europa League.